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Warum ein Moblog?
Niels Gründel
Aber welche Gründe sprechen dafür, ein eigenes „mobile blog“ anzulegen. Die Netzkritik sprach mit zwei aktiven Bloggern über den Nutzen, über neue Freunde und die Zukunft des Moblogs. Der 34-jährige Diplom-Psychologe Dr. Sarb Johal lebt in London und ist in seinem bisherigen Leben viel herumgekommen. Das Internet nutzt er bereits seit 1991, hauptsächlich privat. Vom PC als Client ist er inzwischen weitgehend abgekommen. Sein „mobile blog“ findet man wie viele andere im „Mobile Photo Blogging“ (http://www.phlog.net/user/metime). Stuart McGarrity ist 36 Jahre alt. Er wurde in Schottland geboren und hat vor sechs Jahren zu einer Softwarefirma nach Boston/USA gewechselt. Zu seinen Hobbys zählen das Komponieren von elektronischer Musik, Laufen und die Schauspielerei. Deutschland kennt er über seine Freundin, die aus München stammt. Auch er ist mit einem Moblog im „Mobile Photo Blogging' vertreten (http://www.phlog.net/user/stuart). Die Interviews wurden getrennt voneinander durchgeführt. Netzkritik: Gab es bei dir vor dem Moblog auch eine Zeit des Webloggings – und wann ging es los mit dem ersten „mobile blog“? Sarb: Ich hatte früher auch ein Weblog, aber ich habe es kaum genutzt, weil es zu aufwändig war, es dauernd aktuell zu halten. Ich musste immer online sein, um einen Eintrag vorzunehmen, und habe es aufgegeben, weil ich nicht wirklich zufrieden damit war. Es war einfach zu mühsam. Ich wollte ein Blog, das ich per E-Mail aktualisieren kann. Ich habe mein erstes „mobile blog“ im Februar gestartet. Ursprünglich habe ich nach einem Programmierer gesucht, um meine eigene Moblog-Webseite zu starten, aber ich konnte einfach keinen finden, dabei hatte ich noch eine weitere Person, die mitmachen wollte. Bis vor zwei Wochen habe ich die Seite unterhalb von phlog.net genutzt, allerdings nur recht wenig. Aber ich bekomme ein neues Mobiltelefon mit integrierter Kamera und so habe ich meine Seite etwas aufgemöbelt, damit sie einfach besser aussieht, wenn ich neue Einträge poste. Stuart: Ich habe zuvor kein Weblog gehabt, allerdings eine kleine Homepage mit selbst komponierter Musik (http://www.stuartmcgarrity.com). Weil phlog.net von Alan Bradburn, einem Freund von mir, betrieben wird, fiel mir die Entscheidung leicht. Ich habe im Februar begonnen, Bilder in meinem Moblog zu veröffentlichen, rund einen Monat später habe ich mein Mobiltelefon mit Kamera bekommen. Netzkritik: Für wen nutzt du das Moblog? Für dich selbst, deine Freunde, um neue Freunde zu finden, ...?
Ich würde aber auch gerne mehr interaktive Funktionen sehen wie Links zu anderen Moblogs oder Themen, die kommentiert werden können, oder Projekte, bei denen Moblogger aus aller Welt einen Beitrag aus ihrer Sicht beisteuern. Etwas, das die Fantasie beflügelt. Ich glaube, es gibt eine Menge Potenzial für derartige Dinge. Stuart: Das Moblog ist unterhaltsam. Einige meiner Mitmenschen meinten, ich würde es nicht lange nutzen. Aber ich tue es. Gerne zeige ich auch anderen die interessanten, schönen und lustigen Dinge, die ich selbst erlebe. Einige meiner Freunde schauen regelmäßig vorbei und so sehen sie, was ich tue. Neue Freunde habe ich dadurch allerdings noch nicht gefunden. Daran habe ich aber auch nicht gedacht, als mein Moblog online ging. Gerne schaue mich bei anderen um. Die Einträge variieren in ihrer Qualität sehr stark: Von hervorragenden Einträgen bis Müll ist alles dabei. Netzkritik: Was ist das Interessanteste an Moblogs und deren Technologie? Sarb: Ich mag es besonders, dass ich von überall, wo ich gerade bin, einen Eintrag in meinem Moblog vornehmen kann. Das funktioniert natürlich auch per E-Mail von meinem PC, so dass ich auch schnell Fotos veröffentlichen kann, die ich mit meiner Digitalkamera aufgenommen habe. Es ist wirklich interessant, andere Moblogs zu betrachten. Auf der Seite phlog.net gibt es einige japanische und andere südost-asiatische Nutzer. Ihre Blogs begeistern mich besonders. Es zieht mich dann wieder dorthin zurück Anmerkung: Sarb war früher häufig in Asien unterwegs. Ebenso mag ich die Zeitdifferenz. Wenn ich etwas morgens veröffentliche, ist es in Asien schon Abend. Die Zeitdifferenz in Echtzeit zu erleben, fasziniert mich ganz besonders. Stuart: Mir gefällt die virtuelle Gemeinschaft, in der unterschiedliche Menschen ein Bild einschätzen und bewerten oder sich sogar darüber lustig machen können. Wenn jemandem ein Eintrag gefällt und er ihn kommentiert, fühle ich, wie irgendwie mehr Menschen an meinem Leben teilhaben. Hinsichtlich der Technik schätze ich die Spontaneität. Das Einzige, was ich nicht mag, ist, dass mein Handy in Verbindung mit der Kamera ein wenig langsam bei Aufnahme und Versand von Bildern ist. Netzkritik: Welches Mobiltelefon benutzt du für dein Moblog? Sarb: Ich nutze das „Orange SPV“ und hoffentlich bald auch das „Sony Ericsson T610“. Stuart: Ich besitze ein „Sony Ericsson T68i“ mit einer zusätzlichen Kamera (MCA-20). Ich bevorzuge kleine Geräte. Aber auch das T610 hat es mir angetan, obwohl ich grundsätzlich die Auflösung von 640 x 320 vorziehe. Netzkritik: Was sind deine Pläne für die Zukunft des Mobloggings? Sarb: Ich werde es als Reisetagebuch nutzen, für Wochenendtrips in Großbritannien und Europa. Ich möchte damit mein Leben in London dokumentieren. Ein pures Vergnügen. Doch ich würde die Entwicklung der Moblogs gerne weiter antreiben und freue mich über jeden neuen Kontakt. Im September möchte ich mir gerne ein Apple Powerbook zulegen, sofern ich es mir leisten kann, und es für den Aufbau eines echten Weblogs nutzen, in das mein Moblog integriert wird. Etwa zur selben Zeit möchte ich gerne auch eine ausgedehnte Reise unternehmen, vielleicht nach Südost-Asien, und auch von dort meine Erlebnisse in meinem Moblog veröffentlichen. Und zu guter Letzt: Auch zum Oktoberfest geht es in diesem Jahr. Von dort wird es sicher auch einige Einträge für mein Moblog geben. Stuart: Ich habe keine Pläne, außer vielleicht, mein derzeitiges Mobiltelefon gegen ein besseres zu ersetzen. 19.7.2003 |
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