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Der letzte Schrei: Moblogs

Niels Gründel
Mit den Kamerahandys kam auch der Moblog-Trend auf.
Quelle: Samsung
Weblogs habe sich in den letzten Jahren im Internet rasant verbreitet. Google meldet mehr als 3,5 Millionen Treffer. Doch seit Mobiltelefone mit integrierter Kamera den Markt erobern, werden Weblogs mitunter durch Moblogs abgelöst.

Moblogs stehen, auch wenn man es zunächst kaum glauben mag, nicht für Mobbing, sondern für „mobile blogs“. Textbasierte Moblogs gibt es eigentlich schon viel länger. Vor rund zwei Jahren hat beispielsweise Ubique ein Blogger-Tool für WAP-Handys entwickelt. Weil aber kaum jemand die WAP-Funktionalität seines Mobiltelefons je genutzt hat, war das eher ein Fall für wenige Hardcore-Anwender. WAP-Blogs werden zwar noch genutzt, sehen aber eher spartanisch aus, was nicht nur an fehlenden Bildern, sondern vor allem an der Kürze des Textes liegt.
Inzwischen sind aber Kamera-Handys auf dem Vormarsch. Diesen Trend bestätigt nun auch eine neue Gartner-Studie. Momentan werden erst neun Prozent der Mobiltelefone in Westeuropa mit einer integrierten Kamera verkauft. Im Jahr 2006 sollen immerhin 66 % der Mobiltelefone über eine integrierte Kamera verfügen. Das sind Zuwachsraten, die nicht nur die Handy-Hersteller erfreut zur Kenntnis nehmen dürften, sondern auch die Fans der aufkommenden Weblogs.



Evolution der Blogs


Das Mitteilungsbedürfnis der Menschheit – zumindest vieler Internetnutzer – ist bekanntlich groß. Andernfalls hätte sich der Weblogging-Trend kaum derart erfolgreich durchsetzen können. Was liegt näher, als Schreibfaulen und Leseuntüchtigen jetzt die bebilderte Variante zur Selbstverwirklichung anzubieten?
Da die Geräte auch immer preiswerter und leistungsfähiger werden, erobern nun die Moblogs das Web.
Neue Bilder sind - wie die Werbung der Handyhersteller suggeriert - schnell gemacht und beinahe ebenso schnell per Knopfdruck in nur wenigen Sekunden verschickt. Doch Empfängerin muss nicht immer die Freundin oder liebe Schwiegermutter sein. Das Fotohandy kann die Bilder auch unmittelbar im Internet publizieren, eben in einem Moblog.



Blogs für alle


Anbieter wie Freenet und 20six machen es vor und bieten Weblogs (20six auch Moblogs) für alle an.
Wenn es um mobile Dienste geht, ist normalerweise auch die selbst ernannte Vorreiterin in Sachen mobiles Internet, die Berliner Jamba AG, immer dabei, mit Klingeltönen, Logos oder Spielen, die man der meist jugendlichen Kundschaft gern verkauft. Noch ist man in Berlin aber nicht auf den Zug der Moblogs aufgesprungen. Doch Jamba sei intensiv am Thema dran, so Pressesprecher Tilo Bonow auf Anfrage gegenüber der Netzkritik: „Wir werden in naher Zukunft einen entsprechenden Dienst bereitstellen.'



Killer-Applikation Moblogs?


Der irische Software-Hersteller Newbay empfiehlt Mobilfunkfirmen seine Software „Foneblog“ als eine lange gesuchte Killer-Applikation für neue Mobilfunkdienste. Paddy Holahan, Chief Executive Officer von Newbay: „Über das Mobiltelefon aus können Bilder, Text und Töne einer eigenen Website hinzugefügt werden. Die Telefonnutzer können so ihre Meinungen, Bilder und Ideen über das Internet tauschen. Beschränkt werden die Möglichkeiten nur noch durch die Vorstellungskraft der Anwender.“

Der harte Blogger-Kern dürfte jedoch kein großes Interesse daran haben, einen Blog unter dem Namen eines Telekomanbieters oder einer eigens geschaffenen Community zu veröffentlichen. Fraglich ist ohnehin, inwiefern Moblogging ernsthafte Weblogger ansprechen kann, denn irgendwie sehen die Blogs, bei denen die Bilder im Mittelpunkt stehen, ja doch bestenfalls so aus wie Micky Maus für Erwachsene.



Und so geht‘s


Beim Blogging-Portal des Anbieters 20six erfolgt die Übermittlung neuer Einträge für das eigene Web-Tagebuch beispielsweise folgendermaßen: Per SMS- oder MMS-Versand können Texte, Töne oder Fotos veröffentlicht werden, ohne dass ein Internet-Zugang benötigt wird. Der Nutzer braucht lediglich eine E-Mail-Adresse und eine PIN. Beides erhält man nach der Registrierung auf der Homepage des Anbieters. Die neuen Daten für das eigene Blog sendet man via Handy an die zugeteilte E-Mail-Adresse, anschließend werden die Inhalte auf der persönlichen Seite veröffentlicht.
Der Online-Service und der mobile Weblog-Dienst sind kostenlos.



Moblogs weltweit


Zahlreiche Moblogs finden sich bei der wireless „Hiptop Nation“, Textamerica oder im „Mobile Photo Blogging“. Dort verkündet Alan am 21. Juni der interessierten Menschheit, dass er noch niemals zuvor so viele Menschen hat Bücher kaufen sehen, und zwar immer das gleiche Buch. Der aufgeregte Alan schließt sich sogleich dem Herdentrieb an, kauft ebenfalls den neuen „Harry Potter“-Band und zieht sich zum Lesen zurück. An anderen Tagen kann er sich nicht entscheiden, ob er vom Hochhaus springen oder welche Tüte Süßigkeiten er öffnen soll.
Andere Moblogs beschränken sich weitgehend auf Bilder von Freunden bei Partys und kurze Textnachrichten auf dem Weg durchs Leben. Wen aber interessiert das wirklich in der weiten (Internet-)Welt?

Nicht immer aber werden Fotohandys (und Moblogs) „just for fun“ eingesetzt, wie sich das die Mobiltelefonhersteller gedacht haben.
Amateure berichten mitunter auch in Echtzeit von Demonstrationen und versuchen so beispielsweise Übergriffe der Polizei zu verhindern oder zumindest zu dokumentieren.

Datenschutz-Problem: Handy-Kamera

Haben sich die Datenschützer in der Vergangenheit vor allem besorgt über die fortschreitende Videoüberwachung gezeigt, so machen den statisch installierten Videokameras nun die mobilen Telefone echte Konkurrenz. Auch sie können kurze Filmsequenzen aufzeichnen, doch die voyeuristische Ader vieler Handybesitzer und deren Hang, die Bilder einem breiten Publikum zugänglich zu machen, ist das Hauptproblem. Bilder sind mit der Kamera im Telefon schnell und überall unauffällig gemacht. Wo man sich noch an einer Kamera stören würde, da hat man sich an das allseits verbreitete Mobiltelefon längst gewöhnt, meist nicht ahnend, dass der Besitzer zu einem heimlichen Fotoshooting ansetzt. Ein neues und wahrscheinlich kaum zu bewältigendes Problem.
Verbote und Einschränkungen für die Nutzung von Kamera-Handys gibt es inzwischen in vielen Ländern: Japan, England, auch im Mobiltelefon-verrückten Italien hat die Datenschutzbehörde festgelegt, wo, wann und wer fotografiert werden darf. Der Verkauf der neuen Geräte ist in Saudi-Arabien sogar ganz untersagt. Wie das aber zu kontrollieren ist, bleibt wohl das Geheimnis der dort zuständigen „Kommission zur Förderung der Keuschheit“.

Recht am eigenen Bild

Privatleben und Intimsphäre sind durch das Grundgesetz besonders geschützt. So darf ein Bild grundsätzlich nicht ohne Einwilligung der abgebildeten Person veröffentlicht werden.
Ausnahmen bestehen nur, wenn ein ernsthaftes öffentliches Interesse besteht. Das gilt für bekannte Persönlichkeiten des Zeitgeschehens wie Sportler, Staatsoberhäupter oder Schauspieler ebenso wie für Teilnehmer einer Demonstration oder von öffentlichen Veranstaltungen. Wer aber nur an einem öffentlichen Platz aufgenommen wurde und nicht im Mittelpunkt des Bildes steht, muss nicht um sein Einverständnis für eine Veröffentlichung gefragt werden.


19.8.2003





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