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Deutschland ohne eigene Länder-Domain?

Niels Gründel
Nicht überall auf der Welt ist das Internet so geordnet wie bei der Hansenet.
Foto: Volker Wenzlawski, Copyright: HanseNet Telekommunikation GmbH
Unvorstellbar bei mehr als 6,4 Millionen registrierten Domains unterhalb von DE. Doch was hier zu Lande nicht denkbar ist, liegt anderen Staaten überhaupt nicht schwer im Magen: Weg mit der eigenen Top-Level-Domain!

Der südostasiatische Staat Laos ist das jüngste Land in der Gemeinschaft derer, die ihre Landes-Domain gegen Geld abtreten. Damit betreiben die Politiker des Landes ganz offiziell das, was in anderen Teilen der Welt sehr kritisch beäugt wird, nämlich die digitale Spaltung. Das Ziel ist in allen Fällen dasselbe: Geld für das eigene notorisch klamme Staatssäckel zu vereinnahmen. - Das käme Deutschland doch gerade recht.



Zwei Arten Top-Level-Domains


Neben Länderbezeichnungen als Top-Level-Domains (ccTLDs) gibt es auch die so genannten generischen Top-Level-Domains (gTLDs).
1984 wurden vier gTLDs neu eingeführt, die bekannten COM und ORG sowie die hier zu Lande weniger bekannten EDU und MIL. Es gab Pläne, denen zufolge ungefähr 150 neue gTLDs eingeführt werden sollten; in diesem Umfang ist es dazu allerdings nie gekommen. Einige der neueren gTLDs heißen BIZ, AERO und MUSEUM.
Insgesamt sind gTLDs erheblich stärker verbreitet als ccTLDs, auch wenn dies aus deutscher Sicht eher ungewöhnlich erscheint. Lediglich zwei ccTLDs verfügen über mehr als eine Million Benutzer. Diese sind DE und UK (für das Vereinigte Königreich England).



TV für Fernsehsender?


Für das bisher größte Aufsehen hat der durch den steigenden Meeresspiegel langsam untergehende Inselstaat Tuvalu gesorgt. Rund 1.000 Kilometer und zweieinhalb Flugstunden nördlich der Fidschi-Inseln liegt Tuvalu und 4.000 Kilometer nordöstlich von Australien. Der kleine polynesische Inselstaat besteht aus neun flachen Korallenriffen mit einer Gesamtfläche von gut 26 Quadratkilometern.
Rund 10.500 Menschen leben auf Tuvalu, erst 1978 erhielt Tuvalu seine Unabhängigkeit von der britischen Krone.
Seine Top-Level-Domain TV soll insbesondere Fernseh- und Medienanbieter verlocken, ihr Portmonee weit zu öffnen. Immerhin sollen dem Inselstaat um den Preis seines Verschwindens von der Landkarte des World Wide Web über eine Zeitdauer von zehn Jahren rund 50 Millionen Dollar zufließen. Der Rechte-Käufer freut sich, verscherbelt er doch einzelne, besonders attraktive Namen für einige zehn- oder gleich hunderttausend Dollar an interessierte Fernsehanstalten weiter. Die Premium-Adresse sports.tv soll gar eine Million US-Dollar kosten. Standard-Adressen gehen dagegen für läppische 50 US-Dollar über den Tresen.



LA jetzt für Los Angeles


Der eigentliche Inhaber der Länder-Domain LA (für Laos), das Laos National Internet Committee, hat die Landeskennung kurzerhand an die LA Names Corporation mit Sitz im britischen Guernsey abgetreten. Vermarktet werden soll das schmucke Kürzel an die Bewohner der kalifornischen Metropole Los Angeles mit dem vor Ort ansässigen Webhoster DreamHost. Potenzielle Kunden sind neben den rund 10 Millionen Einwohnern gut 300.000 Unternehmen. Ob das Ziel der Vergabe von einer Million Domainnamen für 50 US-Dollar pro Jahr in den nächsten Jahren erreicht wird, bleibt abzuwarten. Dem Vernehmen des Hosting-Unternehmens nach heißen die ersten Kunden Yahoo und Rolex.


SH für Schaffhausen und Schleswig-Holstein


Auch die Insel St. Helena besitzt eine eigene Top-Level-Domain: SH. Einige Internetagenturen buhlen damit um Kunden aus der Schweizer Region Schaffhausen, wenn beispielsweise die eigene Wunschdomain unter der Landeskennung der Schweiz bereits vergeben ist. Andere Agenturen warten auf Käufer aus Schleswig-Holstein. Doch weder im Süden noch im Norden will man gerne anbeißen. Einige Domains sind zwar registriert, aber selten aktiv, sondern warten auf einen weiteren Käufer über Handelsplattformen wie Sedo.


CD-Verwaltung in Deutschland


Die Deutsche Key-Systems ist das Zentralregister für die Top-Level-Domain CD, die ccTLD der Demokratischen Republik Kongo (Congo Démocratique). Um Kunden wird aber nicht nur in der vom Bürgerkrieg arg geschundenen Republik Kongo geworben, vielmehr ist Key-Systems auf der Suche nach zahlungskräftiger Kundschaft im Ausland. So soll sich die Domain für verschiedene Bereiche eignen, z. B. als Abkürzung für „Compact Disc“, das firmeneigene „Corporate Design“, Bereiche des diplomatischen Korps („Corps Diplomatique“) oder gar für Autohändler („Car Dealer“).
Im Gegensatz zu den oft veräußerten Top-Level-Domains anderer Länder gibt es jedoch eine prozentuale Verkaufsbeteiligung zwischen der Key-Systems und der kongolesischen Regierung. Der Vertrag von Key-Systems soll zunächst unbefristet sein.



TK-Domain für lau


Die winzige im Pazifik liegende Fischerinsel Tokelau verschenkt Domains sogar, um so Aufmerksamkeit und zumindest indirekt Bedeutung zu gewinnen. Eine Weiterleitung über eine Top-Level-Domain unter TK ist schnell eingerichtet. Lediglich für besonders interessante Domain- und Markennamen ist eine Gebühr zu entrichten.
Fast eine halbe Million TK-Domains sind bereits vergeben, der überwiegende Anteil davon kostenlos. Keine schlechte Werbung für einen derart kleinen Inselstaat.
Und wer mindestens eine Weiterleitungsadresse aktiviert hat, kann am Botschafter-Programm des Landes teilnehmen. Statt Punkten sammelt man Fische und es winkt der Aufstieg vom „Deputy Ambassador“ zum „Ambassador of the highest Order“ bei der Vermittlung von mindestens 1.000 Neuregistrierungen.
Kaum zu glauben? Einfach einmal ausprobieren: Auch die Netzkritik wird immer globaler, es gibt sie jetzt sogar in – natürlich Tokelau.



Ohne gute Domain geht es nicht


Eine gute Domain hilft, in der Vielfalt der Internet-Angebote aufzufallen und von den Internetnutzern wahrgenommen zu werden. Daher reicht eine kostenlose Adresse wie die „.de.vu“-Domain für ernsthafte Präsenzen nicht aus.
Ohnehin dürften potenzielle (deutsche) Kunden von der Länderdomain VU der Insel Vanuatu eher abgeschreckt sein, muss sich doch eine Firma, egal wie groß oder klein eine echte deutsche Top-Level-Domain-Adresse leisten können, wenn sie es ernst meint mit der Kundschaft. Und es sollte selbst Privatpersonen möglich sein, sich eine Webpräsenz über einen der hiesigen Massenhoster zu leisten, wenn sie schon das Geld haben, sich im Internet zu bewegen.



Souveränität adé


Letztlich aber sahnen die Käufer einer Top-Level-Domain ab, verlieren doch die Verkäufer einen Teil ihrer oft mühsam erkämpften Souveränität mit dem Verlust ihrer Länderdomain.
Und längst nicht überall werden abgetretene Länder-Domains zum Kassenschlager. Länder-Kennungen wie TO für Tonga oder NU für die ebenfalls im Pazifik liegende Insel Niue können nur mit bescheidenen Erfolgen aufwarten. Zwar sind für Niue mehr als 61.000 Domains bei gerade einmal rund 2.100 Einwohnern registriert, aber an die Registrierungen bei den allgemeinen Top-Level-Domains (COM, NET, ORG) oder die Länder-Domains großer Internet-Nationen (etwa DE) reichen sie bei weitem nicht heran.
Wirklich interessante Länder-Domains gibt es natürlich noch immer, dafür braucht man gar kein neues Land aus der Taufe zu heben. Wie wäre es z. B. mit DJ. Im Moment gehört es dem kleinen afrikanischen Staat Djibouti und wird von der dortigen Telekommunikationsgesellschaft verwaltet, der Societe des Telecommunications Internationales de Djibouti. Wer weiß, wie lange noch?



Domain-Untergang


Eine andere Frage ist, ob die persönliche „Insel-Domain“ tatsächlich ein Leben lang bestehen wird. Denn durch die weltweite Erderwärmung steigt der Meeresspiegel und es ist absehbar, dass einige (Pazifik-)Inseln untergehen werden. Die Folge: Wo keine Menschen leben, gibt es auch keinen Staat mehr und ohne Staat keine entsprechende ccTLD.

17.9.2003






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