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Medienbeobachtung als interaktive Multimedia-Show

Daniel AJ Sokolov
Quelle: Sonia Laszlo, Bearbeitung: Daniel AJ Sokolov
Professionelle Medienbeobachtung kommt erstmals zu musealen Ehren. Sonia Laszlo hat eine multimediale Reise durch die Geschichte der 'Jagd nach dem Ausschnitt' gestaltet, die im Wiener Technischen Museum zu sehen ist.

Professionelle Medienbeobachtung kommt erstmals zu musealen Ehren. Sonia Laszlo, 24, hat eine multimediale Reise durch die Geschichte der 'Jagd nach dem Ausschnitt' gestaltet, die im Wiener Technischen Museum zu sehen ist. Die Wiener Kommunikationswissenschaftlerin will die boomende Branche ins Licht der Öffentlichkeit rücken. In ihre Diplomarbeit hat Laszlo ein dreiviertel Jahr Arbeit und viel Geld gesteckt, das zum Teil von einem österreichischen Medienbeoachter zur Verfügung gestellt worden war. 'Der Aufwand hat sich aber gelohnt', sagte Laszlo zur Netzkritik, 'Medienbeobachtung ist eine boomende Branche, die aber in der Öffentlichkeit kaum bekannt ist. Leider wird die Entwicklung dieses Wirtschaftszweiges in letzter Zeit durch überbordende Copyright-Regelungen sehr erschwert.' Die multimediale und interaktive Ausstellung ist seit Anfang September im Wiener Technischen Museum als Teil der Dauerausstellung 'Medienwelten' zu sehen.



Von der Geschichte zur Interaktion


Der erste, historische Teil erzählt die Geschichte der Medienbeobachtung, die 1849 als romantische Fleißaufgabe begonnen hat. Ein französischer Graf hatte sich ein eine Tänzerin verliebt und schenkte Ihr ein Album mit Ausschnitten von Zeitungsartikeln, die über 'seine' Tänzerin erschienen waren. In der Folge entwickelte er daraus sogar ein kleines Geschäft. Seit 1896 ist das 'Handwerk' in Österreich verbürgt. Auch die Lektoren, die täglich Zeitungen und Zeitschriften nach pro Person etwa 8.000 Stichworten durchsuchen, kommen zu Wort. Im zweiten, interaktiven Teil haben Besucher die einzigartige Chance, sich selbst als Lektoren zu versuchen. Dabei kann zwischen Print- und TV-Beobachtung ausgewählt werden. Die gesamte Show ist wahlweise in Deutsch oder Englisch erlebbar. Regie führte die in Los Angeles lebende Wienerin Martina Zemlicka, 28, die Musik stammt aus der Feder des jungen österreichischen Filmmusikkomponisten Edwin Wendler.


Branche im Wandel


Heute ist die Branche im Wandel begriffen und das gleich in zweierlei Hinsicht. Einerseits erfordern und ermöglichen die Fortschritte im IT-Bereich neue Technologien bei der Observation der Medienlandschaft. Andererseits nehmen mehr und mehr Unternehmen die Dienste von professionellen Medienbeobachtern in Anspruch. Teilweise, weil sie den Wert von Medienpräsenz höher einstufen als früher, teilweise weil sie Urheber- und Persönlichkeitsrechte verfolgen möchten. Genau die neuen Entwicklungen im Urheberrecht sind gleichzeitig aber auch eine Bremse des Booms. 'In Deutschland beispielsweise dürfen keine Kopien oder Scans von Zeitungsartikeln gemacht werden. Nur Originalausschnitte können genutzt werden, was den Aufwand erheblich erhöht', weiß Laszlo, 'Auch in Österreich dürfen Clippings selbst für private Nutzung nicht in einer Datenbank archiviert werden.' Die 'Jagd nach dem Ausschnitt' soll im Spätherbst auch als CD-ROM erscheinen.

24.9.2003






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