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Mit Buntstiften ins Cybercafé

Mario Gongolsky
Burmesische Schulkinder überwinden mit Buntstiften die digitale Isolation. Die UNO stiftet eine Webplattform, um vom Leben in Cyber-Burma zu schwärmen. Nach außen wird zwar so getan, als gäbe es Internet im ehemaligen Burma und heutigen Myanmar, doch das Militärregime in Rangoon fürchtet in Wahrheit das Internet leiste der demokratischen Opposition Vorschub.

Eine schöne Aktion: Kinder aus aller Welt sollten den Delegierten des Weltinformationsgipfels ihre Internet-Wünsche mit auf dem Weg geben. Aus 38 Ländern der Erde kamen die Einsendungen; insgesamt gut und gerne 1.600 Bilder zum Thema Informations- und Kommunikationstechnologien. All diese Einsendungen wurden brav im Internet veröffentlicht und die Besten von ihnen wurden prämiert.

Nein, um die Kunstfertigkeit oder professionelle Attitüde ging es bei diesem Kindermalwettbewerb sicher nicht, eher schon um die Idee und Aussage. In einigen Ländern, vorwiegend Ländern, in denen Meinungsfreiheit Mangelware ist, wurde die Aufgabe leicht fehlinterpretiert. So findet man auf der Webseite Cyberschoolbus erstaunliche grafische Entwürfe, die zu Denken geben.



Verordnete Datenträume


Dabei stechen in Form und schierer Menge besonders die Entwürfe des ostasiatischen Staates Myanmar hervor. 174 Plakate, die augenfällig die gleiche Blattaufteilung bedienen, deren Motive klassisch oder kindlich naiv wirken, aber in den seltensten Fällen eine unsichere Stiftführung von Kinderhand vermuten lassen. Myanmar beweist mit 174 Motiven von insgesamt gerade einmal 280 Einsendungen aus Asien seinen Führungsanspruch, die digitale Spaltung mit Buntstiften zu überwinden. Dazu passt die fehlende Angabe der Schule, der Klasse und des “Künstlernamens', wie sie bei Einsendungen aus weiten Teilen der Welt obligatorisch war.
Myanmar gilt neben Nordkorea als eines der internetfeindlichsten Länder der Welt. Die letzte Cyberstory, die ihren Weg aus dem eisernen Propagandavorhang des illegal regierenden Militärapparats gefunden hat, war ein Kommentar von Amnesty International, die 1999 über das erste Cybercafé der Welt ohne Internetanschluss berichtete. Dort stehen Computer herum, in denen durch die Militärs freigegebene Internetseiten von CD-ROM abrufbar sind.



Weitergehen, im Netz gibt’s nichts zu sehen!


Das Land verfügt nach Informationen der Internationalen Fernmeldebehörde (ITU) in Genf gerade einmal über 2 Internet-Hosts und erstaunliche 25.000 Internetnutzer. Die Netzpenetration liegt bei 44,5 Millionen Einwohner außerhalb der Messbarkeitsgrenze. Auf den offiziellen Seiten der Regierung wird den Besuchern sehr wohl suggeriert, es sei möglich, dort lebenden Menschen eine E-Mail zu schreiben. Die Universität in der Hauptstadt Rangoon verfüge über Internetanschluss, es gibt einen ICT-Park und den Bagan Teleport. Bei genauer Lektüre wird schnell klar, dass mit Internet lediglich ein campusweites Intranet gemeint ist. Doch ausländische Touristen würden schon volle Internetzugangsberechtigungen erhalten. Für längere Aufenthalte empfehlen die dortigen Machthaber ihre mobilen Satelliten-Internetanbindungen. Eine Up-Downlinkanlage (VSAT) kann für 20.000 US-Dollar bezogen oder für 250 US-Dollar monatlich gemietet werden.
Obwohl jeder Bürger einen Internetanschluss beantragen kann, bestätigen internationale Beobachter, dass Internet in Myanmar schlichtweg nicht stattfindet. Neben den Regierungsseiten gibt das myanmesische Internet gerade einmal eine Online-Tageszeitung her, die auch gleich als PDF in lokalen Schriftzeichen und in englischer Sprache erhältlich ist. Fragt sich nur, was man tun muss, um sich dieses Privileg zu verdienen?

Alle anderen Online-Magazine, wie Irrwaddy oder Mizzima werden von Exilburmesen aus den USA und dem etwas offeneren Nachbarland Thailand aus betrieben.

Nach alledem muss die Frage gestattet sein, ob sich 8- bis 14-jährige Kinder aus Myanmar auch nur entfernt etwas unter einem PC oder Internet vorstellen können? Waren das wirklich Schulkinder, denen man mühsam erklärt hat, was das Internet zu tun und zu leisten im Stande ist?

Wir fragen nach, beim Cyberschoolbus der Vereinten Nationen. Unsere Mailanfrage am 16.Dezember 2003 lag genau vor den Feiertagen und so warteten wir vergeblich auf eine Auskunft. Ein erneuter Besuch der Cyberschoolbus-Webseite am 6. Januar 2004 endete mit einer neuen Überraschung: Die Verlinkungen vom Weltinformationsgipfel und die Links von der Cyberschoolbus-Startseite waren geändert. Langes Suchen förderte schließlich einen vergessenen Link zu Tage. Wir hatten die umfangreiche Bild-Galerie also wieder gefunden. Allerdings waren die meisten Vorschaubilder der Zeichnungen aus Myanmar gelöscht.
Auf den neuen Verlinkungen werden hingegen nur noch die Bilder gezeigt, die von der Jury ausgezeichnet oder wenigstens lobend erwähnt wurden, darunter auch Arbeiten aus Myanmar, plötzlich versehen mit Name, Alter und Schulklasse.

Ein Anruf im UN-Headquater New York sollte zur Klärung beitragen. In der Tat sei die Webseite im Umbau. Die Bilder aus Myanmar seien nicht gelöscht, sondern nur zur Überarbeitung entfernt worden, weil sie einfach zu „pixelig“ waren. Colleen Werthmann, Mitarbeiterin bei Cyberschoolbus.org, war ebenfalls überrascht über die Menge der Einsendungen aus Myanmar. Die Anfrage wurde von lokalen UN-Vertreter initiiert und sicherlich habe die Regierung in Rangoon darauf sehr effektiv reagiert. Dennoch ist Werthmann davon überzeugt, dass Myanmar hier keine PR-Kampagne in Auftrag gegeben hat: „Ich hatte jedes einzelne Bild persönlich in der Hand. Alle Bilder aus Myanmar waren auf der Rückseite mit einem Foto des Schülers, dem Namen, dem Alter, der Schulklasse und sogar der Anschrift der Schule versehen gewesen. Die Einsendungen erreichten uns ganz normal per Post. Absender waren Lehrer und Schüler der teilnehmenden Schulen “ Wie aber, fragen wir weiter, konnten die Bildaussagen zum Internet so treffend sein, obwohl es doch gar kein Internet gäbe? „Es ging bei dem Wettbewerb um Informations- und Kommunikationstechnologien. Viele Kinder haben Telefone gemalt. Im übrigen gibt es Internet in Myanmar. Es ist nicht verboten, wenngleich auch nicht sonderlich verbreitet.“



Copyright 2003-2004, United Nations Global Teaching and Learning Project, United Nations Department of Public information. All rights reserved.



Info Burma/Myanmar


Im 11. Jahrhundert entstand das erste birmanische Königreich.
1886 annektierten die Briten das Gebiet als Provinz Britisch-Indiens.
Seit 1958 Militärdiktatur, 1989 Umbenennung in Myanmar.
Erste freie Wahlen 1990: Sieg der Nationalen Liga für Demokratie unter Aung San Suu Kyi, deren Mutter Aung San, Burma den Briten 1937 abgetrotzt hatte. Das Militär blieb an der Macht und Aung Suu Kyi wurde unter Hausarrest gestellt.
1991 erhielt Aung Suu Kyi den Friedensnobelpreis.
Seit April 1992 regiert General Than Shwe mit harter Hand. Durch die internationale Isolation ist der Außenhandel des Landes praktisch zusammengebrochen. Für die UN steht fest, das Myanmar zu den größten Opiumexporteuren der Welt gehört. Zwar beteuert die Regierung gegen den Drogenhandel vorzugehen, doch gründet sich der plakative Reichtum der herrschenden Militärs ganz offensichtlich auf Drogengeld.

3.2.2004






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