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Linux einfach ausprobieren

Niels Gründel
Viele treue Microsoft-Nutzer agieren nach der Maxime 'never touch a running system' und wer traut sich unter diesen Umständen, einen Bootmanager einzusetzen, um den Erzfeind Linux parallel auf seinem Rechner zu installieren? Der Ausweg heißt Knoppix. Damit kann man Linux ohne Neuinstallation ausprobieren. Knoppix ist nämlich Linux, das man direkt von CD-ROM starten kann, ohne dass irgendetwas auf dem eigenen Rechner installiert werden muss.
Grund genug, mit der Autorin Ute Hertzog des bei Markt+Technik neu erschienenen Knoppix-Buches zu sprechen und mehr über das etwas andere Linux zu erfahren.


Netzkritik: Linux kennt ja inzwischen fast jeder. Auf seinem eigenen Rechner installiert hat es aber trotzdem fast niemand. Kann Knoppix die Unentschlossenen überzeugen?

Ute Hertzog: Der ersten Aussage kann ich unbedingt zustimmen, der Zweiten möchte ich etwas widersprechen: ”fast niemand' ist nicht korrekt. Es gibt viele Personen, die experimentierfreudig sind und Linux installiert haben. Die meisten von ihnen sind neugierig und haben keine Angst vor dem PC. Für diese Zielgruppe ist Knoppix nicht unbedingt gedacht.
”Fast niemand' trifft allerdings auf die Masse der PC-Installationen zu. Die meisten besitzen ein vorinstalliertes Windows-System und nutzen den Rechner nur für Spiele, E-Mail, Internet oder einige Büroanwendungen. Diese Anwendergruppe sieht entweder keinen Bedarf darin, ihr Betriebssystem zu wechseln oder schreckt im Zweifelsfall vor dem Aufwand zurück, der bei einer zusätzlichen Linux-Installation auftreten könnte. Knoppix spricht meiner Meinung nach gerade diese Personengruppe stark an: Die Neugierde auf Linux kann befriedigt werden, ohne dass das Risiko und der Aufwand einer Zweitinstallation eingegangen werden müssen. Dabei kann dank Knoppix das Interesse und der Spaß an Linux dann irgendwann so groß werden, dass sich Einige für eine Linux-Installation entscheiden.

Netzkritik: Muss man sich beim Starten des Betriebssystems von der CD-ROM in einer Textoberfläche zurechtfinden oder gibt es auch eine grafische Oberfläche?

Ute Hertzog: Knoppix bootet direkt in eine grafische Oberfläche, der so genannten KDE (K Desktop Environment). Die einzige Ausnahme ist der sehr seltene Fall, wenn Probleme mit irgendeinem Stück Hardware auftreten. In diesem Fall muss beim Hochfahren des Rechners ein einziger Befehl verwendet werden, der aber direkt am Bildschirm angeboten wird. Wer Knoppix einsetzt, hat in der Regel nur mit der grafischen Oberfläche Kontakt. Und damit lässt sich sofort ”loslegen”.

Netzkritik: Im Internet surfen, E-Mails verschicken, Office-Dokumente bearbeiten und CDs brennen - kann ich das auch alles mit dem neuen Betriebssystem?

Ute Hertzog: Ja, all das ist möglich, genau auf diese Themen habe ich auch den Fokus in meinem Buch über Knoppix gelegt. Alles geht auch völlig problemlos. Wer Knoppix nutzen möchte, muss sich nur Gedanken darüber machen, wo die eigenen Daten gespeichert werden sollen, da dies ja nicht auf der Knoppix-CD-ROM möglich ist. Die gebotenen Alternativen sind USB-Stick, Diskette oder Festplatte.
Im letzten Fall muss die Festplatte allerdings beschreibbar sein, die komplette Festplatte darf nicht nur von einem NTFS-Dateisystem (MS Windows NT, 2000, XP) belegt sein, da dieses kein Schreiben durch ein Linux-Betriebssystem zulässt. Es sollte zumindest ein kleiner Bereich existieren, der zum Beispiel mit dem FAT-Dateisystem formatiert ist (MS DOS, Windows 3.11/95/98) und auf einem solchen Dateisystem ist das Schreiben auch für ein Linux-Betriebssystem erlaubt.
Beim Brennen von CDs sollte beachtet werden, dass Knoppix komplett im Hauptspeicher betrieben wird und von dort aus ständig auf die Knoppix-CD-ROM zugreift, was deutlich zulasten der Performance geht. Ein parallel durchgeführter Brennvorgang leidet daran doch merklich. Bei einem entsprechend großen Hauptspeicher und einer schnellen CPU ist das Brennen von CDs mit Knoppix aber grundsätzlich möglich.

Netzkritik: Kann Knoppix in der Schreibtischschublade im Notfall auch Windows-Anwendern helfen?

Ute Hertzog: In bestimmten Grenzen ja. Es ist oft davon die Rede, dass man mit Knoppix ein defektes MS-Windows-System retten kann, hier muss man bei den Erwartungen aber etwas Abstriche machen. Knoppix ist keine kostenlose eierlegende Wollmilchsau, wie es gerne gewünscht wird. Ich kann aber mit Knoppix einen PC mit defektem MS-Windows-Betriebssystem hochfahren und die Windows-Partition unter Knoppix mounten, das heißt, in den Verzeichnisbaum einbinden. Anschließend ist es mit Hilfe von Knoppix möglich, die wichtigen ungesicherten Dateien dieser Partition auf einen USB-Stick, eine Diskette oder eine zweite vorhandene Festplatte zu kopieren und damit zu retten. Das ist schon sehr, sehr hilfreich, denn nichts ist schlimmer als der Verlust wichtiger Daten. Mit Knoppix allerdings das komplette Betriebssystem zu 'retten', war mir auch in mehreren Versuchen nicht möglich.

Netzkritik: Linux-Bücher gibt es ja eine ganze Reihe, aber wie kamen Sie denn auf die Buch-Idee zu Knoppix?

Ute Hertzog: Ich wurde häufig von Personen aus meinen Vorlesungen und bei Schulungen auf Linux angesprochen. Dabei wurde mir klar, dass allgemein eine große Unsicherheit darüber herrscht, ob Linux wirklich als zweites Betriebssystem auf den PC installiert werden soll. Meine Empfehlung war in solchen Fällen schon immer, zuerst Knoppix zu verwenden, um Linux zu testen. Dies brachte mich schließlich auch auf die Idee, für diese Zielgruppe ein Buch zu schreiben.

Netzkritik: Welches Betriebssystem haben Sie denn bei sich installiert?

Ute Hertzog: Ich habe auf meinen Rechnern aus beruflichen Gründen mehrere Betriebssysteme installiert: Suse Linux, RedHat Linux und Solaris 9 sowie MS-Windows 98, NT, 2000 und XP und demnächst kommt auch noch Debian-Linux dazu.

Das Buch ”Knoppix” ist bei Markt+Technik erschienen (ISBN 3-8272-6681-5) und kostet 16,95 Euro.

Ein Buch gab es zu verlosen. Der Gewinner steht inzwischen fest: Es ist Wolfgang Wiora aus Offenbach. Herzlichen Glückwunsch!

17.2.2004






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