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Wirbel um kleine Hotspot-Tarife

Mario Gongolsky
Unter dem giftgrünen Label 802:WLAN werden zurzeit in großem Stil bundesweit WLAN Hotspots in Cafés installiert, fabulierte der Chef von stadtnet-wlan.de. Seine Recherchen, so eierte die Pressemitteilung weiter, deuteten darauf hin, dass es sich dabei um ein kommendes, großes Hotspot-Netz für AOL Deutschland handeln könnte. Möglicherweise sei eine kostenlose Nutzung auch für Kunden anderer Internet Provider geplant.

Was so spekulativ klingt, spült geschickt Insiderwissen ins Netz. Hinter den großen, grünen Leuchttafeln, die in vielen Ballungsräumen auf den WLAN-Hotspot-Service von 802:WLAN hinweisen, steckt im Grunde ein unbedeutendes Start-up aus Hamburg, geführt von Belén Cámara de la Fuente, ehemals Brand-Manager bei AOL Deutschland und zuständig für den Aufbau des AOL-Internet-Terminal-Netzwerks sowie Andreas Maladinski, Geschäftsführer und Gesellschafter bei der StadtNet GmbH, die für AOL Deutschland das bestehende Terminal- und WLAN-Netzwerk betreibt. Für Jörg Stengel, den Chef von stadtnet-wlan.de, sind das alles alte Bekannte, mischte doch auch er damals bei den AOL-Kneipenterminals ebenso mit, wie bei StadtNet.



AOL-Platzhalter mit grünem Schild?


Die kleine 802:WLAN-Webseite, gehostet bei Schlund & Partner, die Firma, gemeldet in einer Hamburger Wohnung, machen aber mehr als neugierig. Dabei vermarktet 802:WLAN tatsächlich AOL-Internetanschlüsse und das zum Schottentarif. Während AOL-Kunden mit ihrem von zu Hause gewohnten Tarif ins Netz können, zahlen Nicht-Kunden gerade einmal 2 Euro pro Stunde; das ist ein Viertel des T-Mobile-Tarifs und definitiv billiger als die zwei Tassen Kaffee, die man binnen einer Stunde am Hotspot wegschlürft.

Jedem ambitionierten Kleinunternehmer können dabei nur die Tränen ins Knopfloch schießen: Man macht eine unbedeutende Firma auf, schraubt den Kneipiers ein fieses Schild an die Tür und hat dafür AOL als Geschäftspartner im Gepäck. Will sich AOL aus dem teuren Geschäft mit den Internetterminals zurückziehen und diese einem Wohnzimmer-Spin-Off überlassen?

„Auf keinen Fall', erklärt AOL-Pressesprecher Tobias Riepe gegenüber Netzkritik. AOL hat 150 Terminalstandorte, die inzwischen überwiegend mit einem Hotspot kombiniert sind. „Am festen Terminal können alle Gäste kostenlos ins Internet. Den Hotspot können nur AOL-Kunden nutzen und das ohne weitere Gebühren', so Riepe weiter. Mit der Hamburger Firma 802:WLAN gäbe es Geschäftskontakte, aber die Entscheidung von 802:WLAN über eigene Hotspots AOL-Internetzugänge zur Nutzung bereit zu stellen, sei eine freie unternehmerische Entscheidung gewesen.

Die Verbindung zwischen 802:WLAN und AOL ist freilich doch etwas mehr als die Wahl eines kleinen Start-ups, sich vom Netzriesen den Netzzugang stellen zu lassen. Immerhin ist der Herr Magdalisnki, der bei der Denic unter der Domain 802wlan.de geführt wird, Geschäftsführer der Stadtnet GmbH und diese ist - von AOL unwidersprochen - Partner für die AOL-Surfterminals und deren Erweiterung um die Hotspot-Funktionalität.

Gleich zweifach haben wir versucht, die Firma 802:WLAN mit diesen Spekulationen zu konfrontieren und ebenso oft wurde uns ein Rückruf der Geschäftsführung versprochen. Anrufe, die Klarheit hätten schaffen können, blieben bislang allerdings aus.



Spekulationen, Insiderhandel und Domainkrieg


Mutmaßungen, das neue grüne 802:WLAN-Schildchen könnte vielleicht doch ein Schachzug sein, massiv Hotspot-Standorte für AOL zu gewinnen, werden bei AOL nicht gerne gehört und auch nicht kommentiert. In der Zwischenzeit bietet die schwache Webseite von 802:WLAN einen N-TV-Bericht an, in dem binnen 2 Minuten 30 Konkurrenten von AOL und 802:WLAN allenfalls durch zu hohe Preise Erwähnung finden. Es könnte freilich ein Zufall sein, aber ein Blick auf die Gesellschaftsverhältnisse von N-TV fördern eine 49-%-ige Beteiligung des Time-Warner-Konzerns zu Tage, zu dem auch AOL gehört. - Die Anmoderation des Beitrages ist in jedem Fall sehenswert grotesk.

Auch die Rolle des mahnenden News-Inkubators Jörg Stengel, der die Macher hinter dem grünen 802-Schild hinlänglich kennt, ist einer genaueren Betrachtung wert. Zwar sind die Fingerzeige auf 802:WLAN und AOL sicherlich gerechtfertigt, doch die Domain der AOL-Partnerfirma Stadtnet GmbH lautet: stadtnet.de, Herr Stengel konterte mit stadtnet-wlan.de und kaum fällt er über 802:WLAN her (802wlan.de), hat er auch schon die Domain 802-wlan.de am Start, die auf das Stadtnet-WLAN-Portal verweist. Um es mit Freenet.de zu sagen: „Normal ist das nicht!”

22.6.2004






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