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Jens Ferner über PHP-Nuke
Niels Gründel
Der Autor der neuen PHP-Nuke-Lektüre kommt nicht nur im Buch zu Wort, sondern auch im Interview. Was ist und kann PHP-Nuke genau, wie hat alles angefangen und was erwartet der Autor und Programmierer für die Zukunft des Open-Source-Projektes mit bewegter Entwicklungsgeschichte? Netzkritik: Die Geister scheiden sich meist daran, was PHP-Nuke denn nun eigentlich ist: Content-Management-System, Portal oder ein besonders komfortables Blogging-System? Jens Ferner: Ich denke, das werden viele unterschiedlich beurteilen. Im Buch versuche ich eine Einordnung, wobei ich denke, dass die Begriffe CMS, Portal und Blogger sich nicht ausschließen. So dass ich hier kein „oder“ sehe, sondern jeder Nutzer selber den Schwerpunkt bilden kann - je nach genutzten Modulen und gesetztem Schwerpunkt kristallisiert sich die Funktion heraus. Netzkritik: Kaum ein anderes Open-Source-Projekt kann auf eine derart bewegte Entwicklungsgeschichte zurückblicken ... Jens Ferner: ... und ich wüsste nicht, welches Projekt jemals mit solchen Schwierigkeiten zu kämpfen hatte. Das Problem ist in erster Linie die Tatsache, dass der Programmierer krampfhaft alleine am Code arbeiten will. Über die letzten Jahre hat er sich mehr und mehr zurückgezogen und lässt (fast) niemanden mehr an den Code ran. Dies ist wohl auch der Grund, warum viele fähige, aber eben auch frustrierte, Programmierer ihre eigenen Projekte, basierend auf PHP-Nuke, aufziehen. Die Software als solche ist leistungsstark und hat eine Menge Bewegung ausgelöst – die Öffentlichkeitsarbeit aber wurde zunehmend vernachlässigt. Netzkritik: Die ursprüngliche Entwicklung durch einen einzigen Programmierer hat letztlich dazu geführt, dass sich zahlreiche parallele Systeme aus dem Ursprung „Thatware“ abgespalten haben. Welche existieren heute und wo liegen die größten Unterschiede? Jens Ferner: Auch wenn Thatware der Ursprung zu PHP-Nuke ist, sollte man nicht vergessen, dass die heutigen Splitt-Offs aus PHP-Nuke hervorgegangen sind - das merkt man an Komponenten wie dem Modul-System, das Thatware schlichtweg fremd ist. Wie viele Forks es heute gibt, kann ich nicht genau beurteilen - die Bekanntesten sind sicherlich PostNuke und OpenPHPNuke - dazu die vielen deutschen Projekte, die sich meistens „VKP' nennen. Ich muss ehrlich sein: Das einzige Projekt, von dem ich wirklich noch viel höre, ist PostNuke, hier hat sich ein autonomes System entwickelt - aber immer noch mit Nuke-Charakter. In meinen Augen ist der größte Unterschied bei den meisten Splitt-Offs schlichtweg die Entwicklungsdynamik und der Support. Netzkritik: Welchen Funktionsumfang besitzt ein PHP-Nuke-System neuerer Version? Jens Ferner: Das ist sehr umfassend. Zum einen gibt es die Inhaltsfunktionen, mit denen sich ein Artikelsystem, Text-Inhalte, Downloads und ein Webkatalog verwalten lassen. Andererseits gibt es aber auch Community-Funktionen wie die Benutzer-Registrierung, das eingebaute Forum, Umfragen etc. Man kann es in der Tat als „Allround-Paket“ bezeichnen. Netzkritik: Sie beschreiben in Ihrem Buch auch wie ein eigenes Vorkonfiguriertes Paket entwickelt wird, also eine weitere Version. Macht das angesichts der bereits zur Verfügung stehenden Fülle an VKPen noch Sinn? Jens Ferner: Diese Frage stelle ich im gleichen Kapitel selber: Macht es überhaupt noch Sinn? Ich bin davon überzeugt, dass es intern auf jeden Fall sinnvoll ist, etwa wenn eine Agentur ein System für mehrere Kunden vorbereiten möchte. Ob es generell als eigenes Produkt sinnvoll ist, wage ich zu bezweifeln. Es gibt reichhaltige Angebote auf dem Markt, die sich zunehmend als Alternative zu PHP-Nuke und teilweise sogar als eigenständiges CMS zunehmend durchsetzen. Netzkritik: Was erwarten Sie von künftigen PHP-Nuke-Versionen? Jens Ferner: Wenn mit dieser Frage gemeint ist, womit ich in Zukunft rechne, kann ich es kurz machen: Nichts. Die Entwicklung ist seit über einem Jahr festgefressen, innovative Änderungen sind nicht festzustellen und Probleme, die seit 2002 bestehen -allem voran das Thema Sicherheit - werden nicht wirklich angepackt. Ich muss zugeben, dass ich insofern von der Entwicklung des wirklich beeindruckenden Projektes PHP-Nuke stark enttäuscht bin. Das heißt aber nicht, dass ich das Projekt totsage oder ihm keine Zukunft mehr gebe. Die Vergangenheit hat gezeigt, dass die Nutzer-Gemeinschaft sehr aktiv und lebendig ist. Wenn der Programmierer die Kurve bekommt, ist damit zu rechnen, dass PHP-Nuke wieder auflebt. Insofern sollte man die Software und ihr Potenzial nicht unterschätzen - ebenso die Tatsache, dass es wohl das meistgenutzte CMS ist; ein Vorteil, der erst nach sehr langer Zeit nachlassen wird. Was ich erwarten würde, wäre einfach: Ein Sicherheitskonzept und eine Konzentration auf den Kern des Systems. Die deutschen VKP machen es eindrucksvoll vor: Hier wurden sämtliche bekannten Mängel innerhalb kürzester Zeit behoben. Insgesamt denke ich, dass das News-System zu lange nicht mehr nachgearbeitet wurde, im Kern ist das System immer noch auf dem Stand einer 5.5 Version. Das ist äusserst schade, da hier sehr viel Potenzial verschenkt wird. 12.8.2004 |
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