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Anonym im Netz

Niels Gründel

Wozu denn anonym surfen? “Sicher ist das Surfen doch auch so, wie ich es immer mache, schließlich ist mir noch nie etwas passiert!” Doch das stimmt nicht ganz, denn heutzutage ist jeder Internetnutzer zugänglich wie ein offenes Buch. Wer surft, hinterlässt (un)freiwillig Spuren im Netz. Provider, Website-Betreiber und auch der Staat sammeln immer zahlreicher Daten. Es wird immer schwieriger, sich zu schützen. Auch wer meint, nichts zu verbergen zu haben, sollte sich ernsthaft Fragen, warum er seine Surfgewohnheiten der ganzen Welt offen legen soll, zumal es durchaus möglich ist, sich weit gehend anonym durch das Netz zu bewegen und sogar unerkannt E-Mails zu versenden.


Mit zunehmender Verbreitung des Internets und der Telekommunikation und im Zuge des geführten Kampfs gegen den Terrorismus hat sich auch das Netz um die Privatsphäre der Menschen in der “Freien Welt” erheblich enger gezogen. Zahlreiche Überwachungssysteme bedrohen selbst unbescholtene Bürger und Unternehmen. Polizei und Geheimdienste arbeiten zumeist im Untergrund, auf der Jagd nach verwertbaren Daten folgen ihnen die Marktforscher auf dem Fuße.
Wer aber wirklich etwas zu verbergen hat, greift ohnehin auf die Verschlüsselung von E-Mails und beim Telefonieren auf abhörsichere Leitungen zurück. Für die Übermittlung von geheimen Daten ist ganz besonders die Methode der Steganographie geeignet. Dabei werden Nachrichten in Bildern versteckt und verschlüsselt. Dagegen nämlich gibt es keine erfolgversprechende Überwachungs- und Entschlüsselungstechnik.



Das Wissen der Provider


Wer über eine Standleitung für seinen Internetzugang verfügt, besitzt eine eindeutige IP-Adresse, die sich dauerhaft leicht zurückverfolgen lässt. Wer sich aber über einen der großen Provider wie T-Online, AOL oder Call-by-Call ins Internet einwählt, erhält bei jedem Einwählvorgang für die Dauer der Sitzung eine andere IP-Adresse. Eine Zuordnung zum Surfer ist daher nur während der bestehenden Internet-Verbindung möglich, ansonsten nur für den Provider. Doch egal, welchen Weg man im Internet einschlägt, die benutzen Pfade werden von den Seitenbetreibern unabhängig vom eingesetzten Webserver gnadenlos mitgeloggt. Schließlich möchten sie alles über ihre Nutzer wissen: Von welchen Webseiten kommen die Nutzer, wie lange bleiben sie, mit welchen Browserversionen betrachten sie die eigenen Seiten und welche Seiten rufen sie auf? Wer genau wissen möchte, welche Informationen er über sich preisgibt, sollte einmal bei der Verbraucherorganisation privacy.net (www.privacy.net) vorbeischauen. Dort werden auf Mausklick alle persönlichen Daten präsentiert, die sich aus den übergebenen Browserinformationen online zusammenstellen lassen. Einen ersten Eindruck bieten wir unseren Lesern mit unserem Quickcheck-Service, rechts unten im Kontext-Menü.


Unerkannt surfen


Wer nun künftig lieber unerkannt surfen möchte, kann sich mit einem so genannten Anonymizer auf seinem Weg durch das Web tarnen. Diese Hilfsseiten im Netz (z. B. www.anonymizer.com, www.allgemeiner-datenschutz.de) wählt man direkt nach der Einwahl bei seinem Provider an und gibt hier seine eigentliche Zieladresse an. Anonymizer sorgen dafür, dass die persönlichen Daten vollständig gefiltert werden. Die Seitenbetreiber angewählter Internetseiten können so zwar noch die einzelnen Seitenaufrufe auf ihren Servern nachvollziehen, nicht aber die mit dem Browser übermittelten Daten. Statt dessen erhalten sie von den Anonymizern nur falsche oder sogar unsinnige Informationen. Für den Dauerbetrieb bietet Anonymizer.com eine kleine Ergänzung für die Toolbar des Internet-Explorers.
Noch komfortabler ist ein Tool wie der Stealther (www.stealther.com), der auf dem eigenen PC installiert wird und die Funktionalität der Anonymizer-Webseiten übernimmt, also die Tarnung im Netz. Die Vollversion von Stealther kostet 39 Euro. Die Sicherheit der Zivilgesellschaft hat eben ihren Preis - wie ja auch unsere Politiker nicht müde werden zu betonen.



Spuren auf dem eigenen Rechner beseitigen


Doch auch auf dem eigenen Rechner bleiben oft zahlreiche Surfspuren im weltweiten Web: temporäre Internetdateien, die History, Favoriten und zahlreiche unbemerkt angelegte Cookies. Natürlich lassen sich alle diese Spuren nach jedem Besuch des Internets von Hand löschen. Leichter geht es mit Überwachungshilfen der meisten Personal Firewalls oder mit speziellen Säuberungstools wie etwa dem Window Washer oder dem MacWasher (www.webroot.com/washer.htm). Cookies können inzwischen in allen Browsern der neueren Generation recht gut kontrolliert werden.


E-Mails anonym


Anonymität lässt sich auch beim Versenden von E-Mails erreichen. Im Internet bietet diese Möglichkeit beispielsweise die Seite Allgemeiner Datenschutz (www.allgemeiner-datenschutz.de). Für den Dauergebrauch wesentlich bequemer ist allerdings ein Tool wie Ghost Mail. Auch hier bleibt die eigentliche Mailadresse sicher verborgen. Dabei kann eine beliebige Absenderadresse gewählt werden, ohne dass der Empfänger es merken kann. Insofern besteht wie bei allen Sicherheitstools letztlich auch die Gefahr des Missbrauchs.


Mindestens E-Mails verschlüsseln


Wem zwar die Spuren beim Versenden von E-Mails egal sind, nicht aber die Gefahr, dass Fremde den Inhalt der Nachricht mitlesen, sollte seine E-Mails unbedingt verschlüsseln. Denn prinzipiell ist eine E-Mail nicht sicherer als eine Postkarte. Mit wenig Aufwand kann sie an zahlreichen Verteilerstellen mitgelesen werden. Online geht das Verschlüsseln beim Web-Mailprovider web.de allerdings mit einer nur recht schwachen Verschlüsselung und der unverschlüsselten Übertragung zwischen dem eigenen Rechner und web.de. Als sehr sicheres Angebot gilt PrivacyX (www.privacyx.com), aber die E-Mails benötigen manchmal etwas länger für den Weg zum Empfänger. Wer einen E-Mail-Client auf seinem Rechner nutzt, kann zur Verschlüsselung das sehr beliebte PGP - Pretty Good Privacy (www.pgpi.org) integrieren. Plug-ins sind für die meisten E-Mail-Clients verfügbar, die maximale Verschlüsselungsstärke ist extrem hoch. Für Privatanwender ist der Einsatz kostenlos möglich. Ebenfalls kostenlos, aber (noch) nicht ganz so verbreitet ist der GNU Privacy Guard (www.gnupg.org).

Weitere Informationen rund um den Datenschutz und das anonyme Surfen bietet das “Virtuelle Datenschutzbüro” (www.datenschutz.de).


Buch: Anonym surfen


Für den “Offline-Betrieb” ist im Herbst das Buch “Anonym surfen” von Carsten Höh erschienen (Sybex-Verlag, ISBN 3-8155-0459-7). Der Autor Carsten Höh versucht mit einer Schritt-für-Schritt-Anleitung Anfängern wie fortgeschrittenen Anwendern einen Einblick in die sichere Nutzung des Internets zu vermitteln. Zahlreiche Beispiele und viele Bilder erleichtern es vor allem Einsteigern, sichere Konfigurationseinstellungen an ihrer Software vorzunehmen.
Allerdings werden beispielhaft vornehmlich jeweils die bekanntesten Produkte einer Kategorie vorgestellt, was zuweilen etwas willkürlich erscheint. Auf andere Anwendungen wird nur sehr kurz hingewiesen, auch wenn sich diese mitunter sehr viel besser im Sinne einer sicheren Bewegung im Internet eignen würden.
Für den Fall, dass nicht alles richtig “hängen” bleibt, verfügt das Buch noch über einen abschließenden Nachschlageteil. Wichtige Informationen lassen sich so bei Bedarf schnell auffinden.
So bietet das Buch - mit einigen Abstrichen - für nur 9,95 Euro Anfängern immerhin wertvolle Hinweise und etwas versierteren Internetnutzern immerhin ein Nachschlagewerk für alle Fälle.








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www.anonymizer.com
www.allgemeiner-datenschutz.de
www.stealther.com
webroot.com/washer
freemail bei web.de
www.privacyx.com
www.pgpi.org
www.gnupg.org
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