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Befreit die Musik!

Mario Gongolsky
Das französische Wochenmagazin „Le Nouvel Observateur“ widmete am 3. Februar 2005 seine Titelgeschichte der Musikpiraterie im Netz. Die Online-Unterschriftenaktion „Liberez la musique“ durchbrach heute (14. Februar) die Marke von 35.000 Unterzeichnern, darunter Musiker und Abgeordnete der Sozialisten. Die Aktion richtet sich gegen die Kriminalisierung von Musikdownloads durch P2P-Nutzer.

Acht Millionen Franzosen haben bereits Musik aus dem Internet gesaugt. Mit schwerer Artillerie möchte der Phonoverband nun auf P2P-Nutzer schießen. Erstes Gerichtsopfer ist ein Lehrer, der immerhin 10.000 Musikstücke auf einer P2P-Tauschbörse feilbot. Das Magazin weist in seinem Spezial darauf hin, dass das französische Urheberrecht einige Überraschungen bereithält. Unter den etwa 500 anhängigen Fällen, in denen gegen P2P-Benutzer vorgegangen werden soll, befänden sich eben auch Nutzer, die lediglich eine digitale Kopie von musikalischen Schätzen haben wollten, die als Vinyl in ihrem Plattenschrank einstaubten. Darüber hinaus beklagen die Autoren, dass durch den Rechte-Hickhack viele Musiker in kommerziellen und legalen Download-Angeboten praktisch nicht geführt werden. Auch P2P-Downloads von Musikstücken, deren dazugehörige Alben nicht mehr im Handel zu bekommen sind, sollten nicht unnötig kriminalisiert werden.

Die französischen Musiker scheinen gespalten. Während sich einige prominente Namen einer Werbekampagne unter dem Claim „Lade mich legal“ für Bezahl-Downloads vor den Karren spannen lassen, gibt es ebenso viele Musiker, die der Tonträgerindustrie vorwerfen, aus sechs Jahren der Absatzkrise nichts, aber auch rein gar nichts, gelernt zu haben. Insgesamt jedoch befürchten P2P-freundliche Musiker durch eine öffentliche Stellungnahme Repressionen durch ihre Plattenlabels. Musiker, die mit dem harten Vorgehen gegen illegale MP3-Tauscher einverstanden sind, trauen sich ebenfalls nicht aus der Deckung. Sie befürchten, bei ihren jungen Fans damit nicht gut anzukommen. Dabei wäre das Votum der Künstler wichtig, um die Politik auf den Plan zu rufen.

Insgesamt scheint die Diskussion um illegale Musikdownloads in Frankreich allenfalls eine Stammtischbeschäftigung zu sein, weniger ein klarer gesellschaftlicher Dialog. Diesen Dialog soll die Unterschriftenaktion nun entfachen. Aus deutscher Sicht ist schon der Titel „Befreit die Musik“ mit einem leidenschaftlichen Plädoyer für den freien Austausch von Musik in einem bedeutenden Wochenmagazin mehr als gewagt. Da wundert es nicht, wenn die nun losgetretene Diskussion um einiges herzhafter geführt wird, als hier zu Lande.

15.2.2005






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In deutscher Sprache: „Wir sind alle Piraten“ bei laut.de
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