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Wild-West in Hilden
Niels Gründel
Nach der Übernahme will ein US-Konzern ein profitables Unternehmen schließen und die Beschäftigten entlassen. Um einen Konkurrenten zu beseitigen. Doch der Widerstand wächst diesmal auch im Netz. Die Rede ist vom Ventilhersteller Denison mit Sitz in Hilden, südlich des Ruhrgebiets. Im vergangenen Sommer war die Welt bei den gut 200 Beschäftigten noch in Ordnung. Für wirtschaftlich schwierige Zeiten herrschten geradezu paradiesische Verhältnisse: Mit einem Aushang bedankte sich der damalige Geschäftsführer Dr. Frank Pahl für die Leistungen der Mitarbeiter, die für Umsatzsteigerungen von bis zu 20 % gegenüber den Planzahlen sorgten. Im Herbst desselben Jahres kündete ein weiterer Aushang von einem zusätzlichen Weihnachtsgeld. Der gemeinsamen Zukunft sollte nichts im Wege stehen. Doch mit der Übernahme von Denison im Februar 2004 für 240 Millionen Dollar wollte der US-Konzern Parker-Hannifin offenbar kein Geld verdienen, die Mitarbeiter waren geschockt. Der einstige Geschäftsführer Pahl wich einem neuen, Gerd Scheffel. Er ist erst seit wenigen Monaten beim Unternehmen und kündigte der Belegschaft im Februar dieses Jahres vollkommen überraschend an, dass Denison zum Ende des Jahres 2006 geschlossen werde. Der Grund: Mangelnde Produktivität, das Werk sei schlicht unrentabel. Abgesehen vom neuen Geschäftsführer und dem Mutterkonzern in Übersee glaubt niemand so recht an den plötzlichen Absturz. Parker-Hannifin hat in Deutschland schon mehrere Unternehmen aufgekauft und kurze Zeit später geschlossen. Auf eine namentliche Eingliederung in den Mutterkonzern wurde regelmäßig verzichtet, der vermeintlich gute Ruf von Parker-Hannifin soll nicht beschädigt werden. Und es ist offenbar auch gleichgültig, dass das Hildener Werk bei den Kunden als besonders zuverlässiger Geschäftspartner gilt. Dennoch soll es der US-Riese mit sieben Milliarden Dollar Jahresumsatz diesmal mit der Werksschließung nicht ganz so leicht haben wie zuvor. Der Widerstand der Arbeiter formiert sich auch im Internet und dort haben sich sogar einige Bundestags- und Landtagsabgeordnete wie Dr. Wilhelm Droste (CDU) und Friedrich Ostendorff (B’90/Die Grünen) ins Gästebuch eingetragen und bekunden ganz offen ihre Solidarität. Ein regelmäßiger Webchat sorgt für den kurzen Draht zu den Mitarbeitern, zudem werden Protestveranstaltungen in Zusammenarbeit mit Beschäftigten anderer Firmen organisiert. Das (Solidaritäts-)Netz lebt. Ein Kampf David gegen Goliath, doch diesmal wird vielleicht der bislang so wohlklingende Name des US-Konzerns in Mitleidenschaft gezogen, denn das Internet vergisst so schnell nichts. 21.4.2005 |
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