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Open-Spectrum schafft Verbindungen
Mario Gongolsky
Der Philosoph Dr. David Weinberger glaubt, die Zeit des Rundfunks wird nicht durch das Informationszeitalter, sondern durch ein Zeitalter der Vernetzung abgelöst. Balsam für die Seele der Freifunker. Sein Aufsatz [1] aus dem Jahre 2003 ist bis heute höchst populär, weil er es versteht, in knappen Worten einen Wandel zu skizzieren, der sich unbestreitbar bereits vollzieht, wenngleich seine Wirkungen nicht so umfassend zu sein scheinen, wie von manchem Hardliner beschworen. Weinberger macht klar, dass die Idee, jede Aussendung benötigt eine gewisse Bandbreite, die demnach dem Sender exklusiv zugewiesen werden muss und die Nutzung einer Frequenz durch zwei oder mehrere Nutzer führe zwangsweise zu Störungen, reflektiere einen technischen Stand von vor 70 Jahren. Das stimmt natürlich. Schon ein schnurloses Telefon ist heute „schlau genug“ zu erkennen, wenn ein Sendekanal belegt ist und baut seine Verbindung über einen anderen, freien Kanal auf. Es ist kein Geheimnis, dass die Technik des Kanal-Hüpfens schon in den 1940er Jahren aus militärischen Gründen erfunden wurde, um Abhörversuche zu erschweren. Moderne digitale Funknetze unterteilen einen Funkkanal in einzelne Frequenz- oder Zeitschlitze. So können etliche Funkverbindungen auf einem Kanal simultan abgewickelt werden, ohne sich untereinander zu stören. Korrektiv gegen Frequenzbegehrlichkeiten Der Schluss, dass jede Frequenzkoordination innovationsfeindlich ist, dass Frequenzen nicht länger ein lizenzierter Besitzstand sein dürfen, ist von der tatsächlichen Frequenznutzungsrealität freilich noch weit entfernt. Richtig ist aber, dass es Bestrebungen gab und gibt, für bestimmte Funkanwendungen Frequenzen zu reservieren und zutreffend ist ebenso, dass große Hardwarehersteller nur zu gerne eine Scheibe im Frequenzkuchen haben möchten, um ihre proprietären Datenfunktechniken exklusiv vermarkten zu können. So dürfte die Open-Spectrum-Bewegung mit ihren durchaus klaren Argumenten ein erfolgreiches Korrektiv für kommerzielle Bestrebungen sein. Techniken wie Bluetooth und WLAN wären heute nicht so kostengünstig und populär, hätte sich eine Firma Technik und Nutzungsfrequenz dafür zu eigen gemacht. Unter Openspectrum [2] hat sich eine niederländisch-tschechische Initiative eingerichtet, um die Idee von Open-Source für Funkfrequenzen mit Augenmaß zu vertreten. Träumen die Open-Spektrum-Optimisten von einer technischen Selbstorganisation des gesamten Radiospektrums, bleibt man bei der Open Spectrum Foundation auf dem Teppich: „Die Ziele von Openspectrum.info sind moderat. Wir wenden uns vor allem gegen das staatliche Exklusivrecht, Frequenznutzungen für Privatleute und Organisationen zu legitimieren oder zu untersagen, sobei es sich um Nahbereichsfunkanwendungen handelt.“ Eine Forderung, die besonders für Entwicklungsländer von großer Bedeutung seien könnte, glaubt Openspectrum-Initiator Robert Horwitz aus Prag. Dem „Licensing-Light“ gehört die Zukunft Der technische Schlüssel könnte in der Frequenzselbstverwaltung, dem so genannten kognitiven Radio [3] liegen. Das ist nichts anderes, als ein Sender-Empfänger, der erst einmal in eine Frequenz hineinhört, bevor es mit seiner Aussendung beginnt. Die Frequenzregulierer in Europa sind mit diesen Forderungen durchaus vertraut. Der Begriff des „Licensing-Light“, für eine möglichst freizügige Vergabe von Frequenzen für bestimmte Funkanwendungen, von denen kein hohes Störpotenzial ausgeht, ist längst Standardvokabular der Regulierer. Im Juli 2005 fand hierzu auf dem Bonner Petersberg eine internationale Konferenz statt, die sich mit Fragen der flexibilisierten Frequenznutzung befasste. Der Präsident der Bundesnetzagentur (vormals RegTP) [4], Matthias Kurth stellte klar: „Die gedankliche Neukonzeption der Frequenzregulierung als Vorbereitung und Grundlage künftiger Regulierungsentscheidungen und Marktöffnung sind unsere vordringlichste Aufgabe.“ Dabei geht man in Deutschland bereits mit gutem Beispiel voran; schon im Dezember 2004 wurden Frequenzen im 3,5-GHz-Bereich für breitbandige Bündelfunksysteme zugeteilt. Weil Bündelfunksysteme einzelne Kanäle nur sehr kurz belegen, wurde ein vereinfachter Frequenzzugang für drahtlose Verteilsysteme ebenfalls auf das Frequenzband koordiniert. Bündelfunksysteme werden sich künftig Frequenzen mit WiMAX-WLAN-Systemen teilen können. WiMAX kann unter anderem dazu beitragen, DSL-Anbindungen in noch nicht erschlossenen Gebieten zu realisieren. Auf dem richtigen Weg Auch auf europäischer Ebene werden die elementaren Ansätze des Open-Spectrum diskutiert. Die Radio Spectrum Policy Group [5] hat auf EU-Ebene alle Markbeteiligten eingeladen, Fragen zu einer flexibleren Frequenznutzungsordnung zu beantworten, vor allem der Möglichkeit von unbürokratischen Frequenzzweitvergaben. Dem Aufruf sind unter anderen alle namhaften Mobilfunkunternehmen gefolgt. Fast alle Teilnehmern glauben an einen Boom von Wireless-Anwendungen, wenn Frequenzen für neue Anwendungen schnell zugeteilt werden können. So gesehen, ist die Open-Spectrum-Idee kaum noch aufzuhalten. 31.8.2005 |
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