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WSIS: Offener Himmel über Afrika

Mario Gongolsky
Bild: Bushmail-Logo
Mit Funk in den Busch
Nachdem der Streit um die Internet-Vorherrschaft mit einem Kompromiss abgehakt wurde, brachte der zweite Konferenztag eine wichtige Wende. Nach gleichlautenden Beobachtungen vieler Teilnehmer rückten weitaus wichtigere Themen ins Blickfeld. Zum Beispiel wie man in der Praxis das Internet in den Busch zerrt.

Regelrecht erleichtert reagierte der Journalist Segum Oruame aus Nigeria [1], dass es nun endlich wieder um die Digitale Spaltung geht, die ihn und seine Heimat weit mehr betreffen als das Gezerre um eine Internet-Regierung. Die afrikanischen Regierungen treiben die Staatengemeinschaft zu neuen Überlegungen an: Wie kann man Afrika für das Internet erschließen, wenn viele Menschen noch nicht einmal ein „Freizeichen” hören können? Die Organisation New Partnership for Africas Development [2] hat versucht, das Thema zu beleuchten. Denn hier liegt ein ernstes Problem. Schätzungen gehen von drei bis vier Telefonanschlüssen auf 100 Einwohner aus. Einen schnellen Überblick der Telekommunikations-Infrastruktur in Afrika findet man derzeit auf der Webseite von Bytes for All [3].



Funk als Schlüssel


Alle der Netzkritik-Redaktion vorliegenden Dokumente, Einschätzungen und Studien deuten darauf hin, dass einzig die Funktechnik geeignet ist, die entlegenen Gebiete der Welt mit Telefon und Datendiensten zu versorgen. Dazu gibt es bereits eine Reihe Erfolg versprechender Anwendungen, wie zum Beispiel die Südafrikanische Bushmail [4]. Sie eröffnet die Möglichkeit, E-Mails überall in Afrika zu empfangen und zu versenden. Für diese Technik benötigt man lediglich einen guten Kurzwellensender mit einer Hochfrequenzdipol-Antenne, eine stabile 12-Volt-Stromversorgung per Batterie, einen Computer mit Windows und ein spezielles Bushmail-Modem. Die Kurzwelle hat den Vorteil, dass der nächste Bushmail-Server etliche hundert Kilometer entfernt sein darf und dennoch betriebssicher eine Verbindung aufgebaut werden kann. Die erforderliche Hardware macht allerdings eine Einmalinvestition von knapp 3.000 US Dollar erforderlich. Je nach Nutzer bietet Bushmail Flaterates ab 500 US Dollar pro Jahr an. Damit hat ein Farmer eine beliebig oft nutzbare E-Mail-Adresse. Bei Bushmail gibt es auch ein Firmen-E-Mail-System mit fünf E-Mail-Adressen und zwei Datenmodems für 2.000 US Dollar pro Jahr.

Die Datenübertragung über Kurzwelle geht je nach Verbindungsqualität gemütlich mit 2.000 bis 6.000 Baud zu Werke. E-Mail-Anhänge bis 100 Kilobyte sind zulässig. Zum Webbrowsen ist das System hingegen ungeeignet.



Am offenen Himmel steht ein Hoffnungsstern


Auf dem Informationsgipfel wurden Möglichkeiten Afrika mit Internetanschlüssen zu versorgen breit diskutiert. Die Vorschläge reichten dabei von einer Ring-Glasfaser-Leitung für den ganzen Kontinent zur Bandbreitenbereitstellung bis zur VSAT-Technologie, die das Internet in den letzten Winkel bringen kann. VSAT, das steht für Very Small Aperature Terminals und bezeichnet eine kleine Satelliten-Station mit Vor- und Rückkanal.

Nach Ansicht des Londoner Panos-Instituts [5] könnten VSAT-Terminals eine Lösung sein. Derzeit kostet ein solches Terminal rund 1.500 Euro. In einem Mietnutzungsvertrag wäre eine 100-Euro-Flatrate erreichbar. Das klingt nicht nach einem Durchbruch, ermöglicht aber vielleicht doch so etwas wie einen Gemeindezugang. Die Satellitentechnik ließe sich preiswerter anbieten, doch stimmen in Afrika die Rahmenbedingungen für ein entsprechendes Preismodell noch nicht. In weiten Teilen Afrikas gibt es keine privaten Telekommunikationsanbieter und die Gesetzgebung in Ländern mit einem Telekom-Monopol verhindert Privatinitiativen ebenso wie internationale Investitionen.

Beim Panos-Institut glaubt man im Trend der Frequenzregulierung den entscheidenden Schlüssel zu erkennen, der den Satelliten zum Problemlöser des Webanschluss in wenig erschlossenen Gebieten machen kann. Open-Spectrum [6], ein öffentlich nutzbarer Frequenzraum, soll Motor einer solchen Entwicklung sein: So wäre es denkbar, zur Verfügung stehende Ku-Band-Satellitenkapazitäten lizenzfrei mit kleinen sendenden Satellitenterminals anzusprechen. Voraussetzung hierfür ist, neben der entsprechenden Öffnung der internationalen Frequenzregulierung, vor allen Dingen ein starker Bürokratieabbau, um den Markteintritt entsprechender Anbieter zu erleichtern. Die offene Nutzung der Uplinkfrequenzen ist da wohl leichter zu realisieren, als der nationale Bürokratieabbau. Und das ist beileibe kein afrikanischen Problem.

18.11.2005






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[1] iWtness-Blog
[2] NEPAD
[3] Bytes For All
[4] Bushmail
[5] Panos-Institute
[6] Open-Spectrum
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