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WSIS: Der Kompromiss, der keiner ist

Niels Gründel
Die Forderung nach einer internationalen Lösung der Internet Governance ist insbesondere während der Vorbereitung des Weltgipfels der Informationsgesellschaft immer größer geworden. Nach Abschluss des Gipfels steht fest: Ändern wird sich faktisch nichts.

Die EU hatte im Vorfeld des Gipfels mit einem Vorschlag für Aufsehen gesorgt, der eine Übertragung der Internet-Kontrolle auf ein internationales Gremium der UN vorsah. Unterstützt wurde der Vorschlag von Schwellen- und Entwicklungsländern. Für konservative US-Politiker ein Schreckgespenst, denn bekanntlich stammt alles Gute und Funktionierende aus den USA. Die UNO gilt als Teufel, der einzig die Weltherrschaft der USA untergraben will.
Es war daher nicht überraschend, dass die US-Regierung zur Wahrung des Alleinherrschaftsanspruchs über das Internet im Gipfel-Vorfeld durch zahlreiche Kongressabgeordnete lautstark unterstützt wurde.

Doch nicht alles wird so heiß gegessen, wie gekocht. UNO-Generalsekretär Kofi Annan schrieb schon in einem Gastbeitrag der Frankfurter Rundschau im Vorfeld: “Jeder erkennt die Notwendigkeit für internationale Beteiligung an der Diskussion über die Kontrolle des Internets. ... Wir sollten die Angst vor einem &ssquo;UN-Design‘ des Internets nicht unnötig steigern. ... Letztlich wollen wir erreichen, dass alle Menschen an den Vorteilen des Internets teilhaben können.”



Reden, aber nicht entscheiden


Auf dem Weltgipfel zur Informationsgesellschaft in Tunis äußerte er sich dahingehend, dass die Organisation des Netzes durch die amerikanische ICANN gegenwärtig sinnvoll sei. Künftig müsse es aber eine stärkere internationale Teilhabe geben, um die soziale Entwicklung weltweit voranzutreiben.
Die US-Regierung setzte auf dem Gipfel durch, dass sich am Status quo nichts ändern wird. Andere Staaten dürfen an der Verwaltung von Adressen und Namen innerhalb der ICANN mitwirken. Die Kontrolle des US-Handelsministeriums bleibt bestehten. Und ein bei dem Treffen geschaffenes internationales Forum wird bei Entscheidungen kein Mitspracherecht erhalten. Doch worum geht es wirklich?

Das Herz des Internet sind die so genannten Root-Server. Hierarchisch betrachtet stehen sie an oberster Stelle im Internet. Sie nehmen die Anfragen des Domain Name System (DNS) aus aller Welt entgegen und leiten die anfragenden Rechner zu den entsprechenden DNS-Servern der angefragten Top Level Domain weiter. Das DNS ist eine verteilte Datenbank, die den Namensraum im Internet verwaltet.

Die Root-Server werden von verschiedenen Stellen betrieben; die ICANN koordiniert den Gesamtbetrieb der weltweit existierenden 13 Root-Server im Internet (“A” bis “M”).
Root-Server müssen jedoch nicht aus einem, sondern können durchaus auch aus mehreren Computern bestehen, die ihrerseits zu einem logischen Server zusammengeschlossen sind.
Dies ist beispielsweise so beim “deutschen” Root-Server “K”, der vom RIPE betrieben wird und aus mehr als einem Dutzend Computern besteht, die ihrerseits wiederrum über die ganze Welt verteilt sind.



Server A bleibt US-Angelegenheit


Dem Root-Server “A” kommt eine ganz besondere Rolle zu. Denn er enthält die Datenbasis für alle übrigen Root-Server, die vom “A”-Server zweimal täglich ein Update erhalten.
Die Internet Corporation for Assigned Names and Numbers (ICANN) ist eine privatrechtliche Non-Profit-Organisation. Sie entscheidet über die Grundlagen der Verwaltung von Namen und Adressen im Internet und beschließt technische und Verfahrensstandards. Mitunter wird sie daher auch als “Weltregierung des Internets” bezeichnet, obwohl Regierungen bei der ICANN lediglich einen Beraterstatus besitzen. Einzige Ausnahme ist die US-Regierung. Da sämtliche Root-Server ihre Datenbestände vom “A”-Server beziehen, der von Verisign betrieben und unter dem Einfluss des US-Handelsministeriums steht, besitzen die USA die Macht, über die Abschaltung oder Umlenkung ausgewählter Top-Level-Domains Druck zur Durchsetzung politischer Ziele auszuüben. - Sofern die untergeordneten Root-Server entsprechende Updates mit übernehmen.



ORSN als DNS-Notstromaggregat


Insbesondere aufgrund dieser Perspektive haben sich alternative Root-Server-Netzwerke gebildet; eines der bedeutensten ist das europäische Open Root Server Network (ORSN).
Es wurde 2002 als Alternative zu der ICANN-koordinierten Variante gegründet. Auch das ORSN übernimmt die Namensauflösung im Internet durch ein weiteres Root-Server-Netzwerk, das technisch absolut kompatibel mit dem ICANN-Root ist, aber eben nicht der politischen Einflussnahme der ICANN ausgesetzt ist.



20.11.2005





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[1] Root-Server

[2] Open Root Server Network
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