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Domainregistrierungen und Domainwert - Unstimmigkeiten bei der EU-Domainvergabe

Daniel Kollinger, Initiator der seit 2001 existierenden Domaincommunity domainforum.info, aus der die Protest-Unterschriftenseite eudomaindesaster.org hervor gegangen ist, kritisiert die aktuell noch laufende Domainvergabe der EU-Domains. Sein Ziel und das der ganzen Community ist, die laufende Domainvergabe noch zu stoppen und eine Wiederholung herbeizuführen, denn leider spiele sich momentan das gleiche Szenario ab, wie schon einmal bei der Domainvergabe der .INFO-Adressen, als auch nur wenige die besten Domains bekamen.

Netzkritik: Die EU-Domains gehören ja eigentlich allen Europäern. Auf welchen Wert taxieren Sie dieses bisher brachliegende Vermögen, das nun kostenfrei verteilt wird?

Daniel Kollinger: Vielen Leuten ist leider nicht bekannt, dass Domainnamen sehr wertvoll sind und auch zu hohen Preisen gehandelt werden. Vielleicht hat auch die EU-Kommission bzw. das Parlament, davon schon gehört, aber nicht wirklich in vollem Umfang realisiert, welcher Wert dahinter steckt und daher die Regeln gegen Massen-Spekulation verfehlt [Weiterführende Links: dnjournal.com, domainpreise.org, domain-recht.de].

Nimmt man mal die wichtigsten 5.000 Keywords kommt man sicherlich auf einen Gesamtwert von 100 Millionen Euro, wenn sex.eu, casino.eu oder hotels.eu schon jeweils einen einstelligen Millionenwert für sich allein haben. Vor kurzem wurde bekannt, dass sex.com für 12 Millionen US-Dollar verkauft wurde. Gute Domains sind wertvoll, weil sie bessere Suchmaschinenplatzierungen erzeugen, so genannte Type-Ins - Eintipper-Besucher, die kommen ohne Geld für Werbung auszugeben - haben Wiedererkennungswert und fördern das Image, weil sie ihren Wert nicht verlieren.

Netzkritik: Was sind die Gründe, dass Sie die Domainvergabe noch stoppen wollen?

Daniel Kollinger: Die vom EU-Parlament selbst zuvor immer diskutierte Zielsetzung, spekulative Registrierungen in der „Sunrise Period für Markeninhaber“ ganz zu verhindern, und solche während der für alle offenen Landrush-Periode möglichst gering zu halten, wurde komplett verfehlt. Vielmehr haben nun sogar nur ein bis zwei Dutzend Spezialisten alle Topbegriffe abgegrast. Die angewandten Registrierungsmethoden waren zwar annähernd regelkonform, aber moralisch sehr zweifelhaft. Eine Wiederholung der Vergabe sollte zu einer Verteilung auf viel mehr verschiedene Personen und Firmen führen.

Netzkritik: Grundsätzlich ist bei der jetzigen zweiten Sunrise-Periode aber eine Registrierung auch nur dann möglich, wenn man nachweisen kann, dass man Rechteinhaber einer Marke oder eines Namens ist. Die Vergabestelle Eurid hat dafür extra Price Waterhouse Coopers als unabhängige Stelle beauftragt. Wieso konnten dennoch so viele generische Domains registriert werden?

Daniel Kollinger: Diejenigen, die nun Erfolg hatten, Domains auf generische Begriffe zu registrieren, können Markeneinträge vorweisen. Die vorgelegten Markeneinträge würden aber im normalen Geschäftsleben keinen Sinn machen z. B. wenn „sex“ zur Verwendung in der Klasse für „Tierfutter“ eingetragen wurde oder „Spiele“ in der Klasse „Mülleimer“. Weiter wurden Marken eingetragen mit Wörtern, die mit Leerzeichen oder Sonderzeichen versehen sind z. B. „boo K“, „s EXY“ oder „online&poker“. Diese Sonderzeichen fallen laut den Registrierungsregeln dann weg und schon wird eine schöne Domain daraus. Auch diese Markenanmeldungen wurden von EURID/PWC alle anerkannt.

Netzkritik: Sie vermuten in den meisten Fällen Spekulation hinter den jetzigen Registrierungen. Genau das wollte das EU-Parlament ursprünglich verhindern. Was hätte man besser machen müssen?

Daniel Kollinger: Das ist keine Vermutung, sondern vielmehr belegbar durch die Massenhaftigkeit, durch die Kurzfristigkeit und das weite Spektrum der Begriffe, in denen die vorgelegten Marken angemeldet wurden. Es gibt wohl noch nicht mal Großkonzerne, die gleichzeitig eine Airline, einen Sexshop, ein Reisebüro, ein Hotel, einen Handyshop, eine Finanzzeitschrift, eine Bank, ein Casino, eine Autofirma betreiben und gleichzeitig noch Anwalt sind und das Wetter vorhersagen können?! Genau das wollte das EU-Parlament verhindern, nachzulesen in Publikationen über die Entstehung der Vergaberegeln und auch in Ansätzen in den maßgebenden Verordnungen EG Nr. 733/2002 und 874/2004.

Man hätte eine Regelung integrieren müssen, dass wenn aus der Sicht von EURID/PWC während der Sunrise-Periode alle Anzeichen für eine massenweise Spekulationsregistrierung offensichtlich sind, dass dann der Antragsteller generell für alle Domains gesperrt wird und ihm ggf. eine Möglichkeit des Widerspruchs eingeräumt wird. Jedoch würde dieser Widerspruch sicherlich nicht erfolgen, weil der Antragsteller nicht nachhaltig belegen könnte, dass er die Domains tatsächlich betreiben möchte und die Markeneinträge seinem Geschäftszweck entsprechen. So würden die Domains schnell in der für alle offene Landrush Periode wieder frei zur Verfügung stehen.

Externe Links:

Autor: Niels Gründel - 10.02.2006





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