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Musik herunterladen - Mit Musicload in der Höhle des Löwen.

Das Angebot ein ganzes Album für 8,99 Euro herunterzuladen, klingt verlockend. Ein Windows-Mediaplayer, Digital-Rights-Management, Nutzungslizenzen: Willkommen in der Höhle des Löwen, der zwar viel Getöse macht, sich aber als Prothesenträger erweist.

Gesucht wird Carla Bruni, Gianmaria Testa und die Micatone. Der Preis- und Lizenzbedingungs-Sieger dieser Suche heißt Musicload, das Vorzeigeobjekt der Musikindustrie. Von den drei Interpreten war auf allen von mir untersuchten Portalen jeweils nur die populäre Carla Bruni mit ihren Alben zu finden. Mal als DRM-freies MP3 für 18,95 Euro und als rechtsbeschnittenes WMA für 8,99 Euro. Wer weiß, dass die CDs der Vertreterinnen des Nouvelle Chanson meist weniger als 40 Minuten Spielzeit haben, für den kommen die Original Audio-CDs nicht in Frage. Zumal man unter rechtlichen Gesichtspunkten nicht ohne Umgehung des Kopierschutzes die neue CD auf einen eigene MP3-Scheibe brennen kann. Das ist aber erforderlich, um nicht immer mit der halben CD-Sammlung ins Auto einsteigen zu müssen. Die Musicload-Lizenzen sind liberal: zehn mal dürfen die Dateien auf CD gebrannt werden, bleliebig oft lassen sie sich auf Speichermedien oder MP3-Player mit DRM-Unterstützung kopieren.


Kontaktfreudige Softwaretools

In der Tat ist die Titelsuche und Auswahl auf der Musicload-Seite sehr bequem und auch die vielfältigen Bezahlmethoden sind ein Vorteil. Nach der Bezahlung kommt der Download und hier beginnt der Horrortrip: Wer ein ganzes Album in einem Zug downloaden möchte, braucht eine Musicload-Software. An einem ungebetenen Mitbewohner auf meiner Festplatte hatte ich kein Interesse. Gezwungenermaßen - der erforderlichen DRM-Unterstützung wegen - musste der neueste Windows-Mediaplayer installiert werden. Das hätte ich mir ebenfalls gerne erspart, weil alle „Gates-Applikationen” gerne nach Hause telefonieren. Es ist zwar nicht so, dass wir der Firma Microsoft oder den Rechtewächtern der Musikindustrie Festplatteninhalte verheimlichen müssten, aber Journalisten achten auf die Unversehrtheit ihrer Datenbestände. Applikationen, deren Herkunft oder Funktion unklar sind, werden ohnehin geblockt und das Hinzukommen neuer kontaktfreudiger Softwarekomponenten erregt stets Argwohn.


Lass mich meine Files holen

Nachdem ich alle Verbeugungen vor den DRM-Mechanismen über mich habe ergehen lassen, endete mein Versuch die Lizenzen und die Musikfiles herunterzuladen immer in der gleichen Sackgasse, die freundlich bedauerte, dass der Download fehlgeschlagen sei, weil erforderliche Komponenten nicht auf meinem Rechner zur Verfügung stünden. Nach weiteren Versuchen kannte ich die Problemerläuterungen auswendig. Es dauerte eine weitere Stunde, meine Augenlieder wurden schon schwer, als ich in seeliger Ermattung formulierte, dass es ja bei Männern oftmals beim ersten Mal nicht klappt. Musicload, die Schöne, erlaubt es mir einfach nicht, mir meine Files runterzuholen.


Mein Mozilla muss draußen bleiben

Ich studierte mit eher beiläufigem Interesse die Funktion der Webseite, hatte meine Carla Bruni schon als unerreichbar abgehakt und sinnierte klickend über die technische Umsetzung des Downloadbereichs, als mir des Rätsels Lösung wie Schuppen aus den Haaren rieselte: Active-X-Elemente! Natürlich: Wenn schon Schnüffelsoftware, dann doch bitte richtig. Musicload muss vor dem eigentlichen Download prüfen, ob die Lizenzen für die Musikstücke auf der Platte liegen. Also muss der Browser auf meiner Festplatte nachschauen. Während der Internet Explorer für Musicload seine scheunengroßen Sicherheitslücken zur Verfügung stellt, hält Firefox schon in der Standardkonfiguration Active-X-Steuerelemente für verzichtbares Teufelszeug. Nur der Internet-Explorer ebnet der Musik seinen Weg. Klingt doch nach der heilen Welt des E-Commerce?


Musicload für die Braven unter den Zaghaften

Wenn in der Lizenz steht, die Files können auf CD gebrannt werden, ist tatsächlich eine Audio-CD gemeint. Das steuert der Windows-Mediaplayer. Er nimmt die einzelnen Files und brennt daraus eine herkömmliche Audio-CD. Wenn man dann diese selbstgebrannte Audio-CD hernimmt, und die Dateien rippt, erhält man endlich wieder ein normale MP3-Files. Kopierschutz? Nicht vorhanden. Ob allerdings ein Wasserzeichen die Mehrfachbehandlung robusterweise überlebt hat, lässt sich nicht sagen. Interessant ist die Frage nur für Musikfreunde, die solche Files später illegal auf Tauschbörsen anbieten. Mit dem Umweg über die selbstgebrannten Audio-CD ist der Kopierschutz also Geschichte. Man wagt zu bezweifeln, dass all die Technik wirklich einen messbaren Zweck erfüllt, der über die generalstabsmäßige Einschüchterung des Konsumenten hinausgeht. Der Internetmusik-Süchtige kauft nicht bei Musicload, sondern eher die Braven unter den Zaghaften. Die waren ihrerseits aber niemals Peer-2-Peer-Nutzer.


Seid ohne Furcht

Es ist ja nicht nur Carla Bruni, die man für knapp 9 Euro auf die Festplatte werfen kann, sondern auch so intensiv getauschte Doppel-CDs wie „Stadium Arcadium” von den Red Hot Chili Peppers. Schlecht ist Musicload also nicht und die Höhle des Löwen gar nicht so finster wie gedacht. Für mich ist eine Wiederholungstat nicht ausgeschlossen. Wenn mein Wunschalbum preisgleich bei einem anderen Anbieter zu kriegen ist, würde ich aber sofort wieder fremdgehen. Einen treuen Kunden hat Musicload an mir also nicht gewonnen, sondern eher einen Schnäppchenjäger an dem kaum etwas zu verdienen ist.

Autor: Mario Gongolsky - 10.06.2006





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