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Soziologie des Raumes - Flüchtige Reisenotizen

Ein Berliner Kunstprojekt namens Takatako hat sich flüchtiger Erinnerungen während des Reisens angenommen. Zur Teilnahme am Projekt ist jeder aufgefordert, der verreist und seine Notizen dazu nach Berlin übermitteln möchte. Als Hilfmittel kann ein Pass angefordert werden, in dem die Erlebnisse wie Visavermerke eingetragen werden. Netzkritik.de sprach mit Dietrich Kluge und Uwe Koch, den beiden Initiatoren des Projektes Takatako.

Netzkritik.de: Wie kam es zu der Projektidee mit dem eigentümlichen Namen Takatako und was ist das genaue Ziel?

Dietrich Kluge: Bereits vor zwei Jahren hat Uwe Koch als Maler und Grafiker begonnen, sich künstlerisch mit dem Thema des Reisens, der Visualisierung von Wegenetzen und deren Verortung in der Bildstruktur, ähnlich einer geographischen Karte auseinanderzusetzen.

Das Ergebnis dieser Beschäftigung ist eine Reihe großformatige Bilder, die wie Landkarten Streckennetze, Wege und die sie umgebende Landschaft zeigen. Schon dabei ging es ihm weniger um die naturalistische Abbildung, als vielmehr um das Sichtbarmachen einer vom Menschen geschaffenen Struktur im Raum. Später entstand der Wunsch, auch in der realen Welt Bewegungsspuren und die sie begleitenden Erfahrungen zu erkennen und sichtbar zu machen.

Das war der Beginn des Projektes “takatako”. Das Wort selbst soll dabei eine akustische Entsprechung für jede Art der Fortbewegung sein. Es erinnert, je nach Vorstellungskraft des Hörers, an das altertümliche Rattern eines Zuges, das Auf- und Ab von Zylindern eines Verbrennungsmotors oder den Schritt eines Wanderers...

Die Grundfrage des Projektes ist nun: Was würden Reisende aus einem „Nichtort“ der stetigen Bewegung, der mit der Überwindung von Distanz entsteht - also der Fortbewegung mit Zug, Auto oder Flugzeug berichten? Denn gleichzeitig zum "bewegt-werden" sind wir ja als Reisende immer den durch das schnelle Passieren reduzierten Eindrücken der Landschaft ausgesetzt, werden in Gespräche mit Fremden verwickelt oder hängen einfach unseren Gedanken nach. Ein reicher Erfahrungsschatz also, welcher mit eigens für das Projekt gedruckten Reisetagebüchern, den „takatako-passports“ gehoben werden soll. Sie dienen als Notizheft und sollen von Reisenden mitgeführt und mit eigenen Erfahrungen gefüllt werden.

Netzkritik.de: Wie gelangt man an einen eigenen Pass und wie viele Reisende besitzen schon einen?

Uwe Koch: Einen “takatako-passport” erhält man einfach durch Zusendung des Rücksendeportos (Normalbrief) an folgende Anschrift: Galerie Barrique & Leinwand, 10247 Berlin, Rigaerstraße 70. Das Notizheft selbst ist kostenlos. Bisher wurden etwa 500 Pässe versendet, von denen ein Teil bereits wieder von der jeweiligen Reise nach Berlin zurückgekehrt ist.

Netzkritik.de: Bis wann sollte der Pass wieder in Berlin eingetroffen sein?

Uwe Koch: Da wir beabsichtigen im Frühjahr 2007 eine vorläufige Zwischenbilanz, mit einer Ausstellung zum Projekt in Berlin zu ziehen, wäre es natürlich günstig, wenn bis Ende 2006 möglichst viele der Pässe zurückgekehrt sind. Und nicht zukletzt: Je mehr Pässe insgesamt zurückkehren, desto interessanter und "engmaschiger" wird das entstehende Netz und deren Präsentation sein.

Netzkritik.de: Was geschieht mit den zurückgesandten Tagebüchern?

Dietrich Kluge: Jeder Pass hat entsprechend einer eingestempelten Seriennummer einen bereits reservierten Platz auf der Projektseite takatako.de. Wird er nach seiner absolvierten Reise zurückgesendet, werden wir ihn an entsprechender Stelle neben Auszügen der jeweiligen Notate abbilden.

Netzkritik.de: Mit wie vielen Rücksendungen rechnen Sie?

Uwe Koch: Das lässt sich vorab schwer abschätzen. Optimistisch rechnen wir mit einer Rücksendung von etwa der Hälfte bis zwei Drittel aller bisher ausgegebenen “takatako-passports”. Gleichzeitig ist uns natürlich bewusst, dass viele Interessenten auf die „große“ Reise warten, oder mit den ausgefüllten Passports einen geschliffenen literarischen Reisebericht abliefern wollen. Beides ist zwar schön, aber nicht unbedingt notwendig. Wenn es zwei Regeln für das Projekt gibt, dann: jede Art der Fortbewegung ist bereits eine Reise und alles dabei Erlebte ist in jeder Form berichtenswert.

Netzkritik.de: Lässt sich der Projektverlauf auch im Internet verfolgen und was folgt in der realen Welt?

Dietrich Kluge: Auf der angesprochenen Projektseite takatako.de lassen sich alle bisher zurückgesendeten “takatako-passports” aufrufen. Die Seite selbst soll Schritt für Schritt erweitert werden, um später eine Gesamtschau aller Reisenotate darstellen zu können. Das Projekt wurde mit einer Ausstellung der Arbeiten von Uwe Koch und der gleichzeitig ersten Pass-Ausgabe in Berlin eröffnet.

Die bereits erwähnte Ausstellung im Frühjahr 2007 wird dann mithilfe der zurückgekehrten Passports den Erfahrungsraum Reisen dokumentieren. Wer einen ausgefüllten Pass eingeschickt hat, wird ihn also hier wieder finden. Als Gesamtabschluss ist die Herausgabe eines Künstlerbuches geplant, das einen Einblick in die Wahrnehmungswelt von Reisenden zeigen soll.

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Autor: Niels Gründel - 10.07.2006





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