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Cyberwar III: Du hackst mich, ich knack Dich!

Mario Gongolsky

Dass der Auftakt des Krieges im Irak sogleich auch eine Demonstration des Cyberwar werden würde, ist keine große Überraschung. Die Amerikaner waren elektronisch auf Angriff eingestellt, aber mit der Verteidigung haperte es gehörig. Haben die Cyberwar-Strategen der US-Geheimdienste die Situation unterschätzt?

Der geheimste aller geheimen Geheimdienste der USA erlebte am ersten Kriegstag gleich einen herben Imageverlust. Die Webseite des NSA (National Security Agency) wurde einfach gecrackt. “Nur die Pressestelle', beschwichtigte man schnell und es seien auch keine sensiblen Daten erbeutet worden. Nach Auskunft des britischen Hacker-Monitoring-Dienstes Mi2G, geht der prestigeträchtige Coup auf das Konto einer Gruppe mit dem hübschen Namen “Unix Security Guards'. Wie der Informationsdienst weiterhin ausführte, gehören zu diesem Verbund Cracker aus Ägypten, Marokko, Kuwait und Indonesien. Die Gruppe verspricht weitere systematische “Defacements' von US-Webseiten; so wird die Veränderung oder der Austausch von Webseiteninhalten allgemein genannt.

Die Washington Post berichtet, seit Beginn des Krieges seinen bereits über 400 US-Webseiten dieser neuen Form des Vandalismus zum Opfer gefallen. Der Organisationsgrad der antiamerikanischen Cyberkrieger scheint also weit stärker ausgeprägt als gemeinhin angenommen.

Der britische Monitoringdienst Mi2G beobachtete schon während der Zuspitzung der Lage im Weltsicherheitsrat eine neue Fokussierung derartiger Angriffe. Zu den neuen Zielen gehören neben den USA, Großbritannien und Israel nunmehr auch Südkorea, Australien und Italien.


Zu viele E-Mails?


Der Chef des US-Geheimdienstes NSA, General Mike Hayden, gab in einem Interview mit dem Fernsehsender CBS zu: “Wir liegen hinter der Entwicklungskurve der globalen Telekommunikations-Revolution zurück.' Eine pikante Aussage jenes Geheimdienstes, dem die E-Mail-Spionage obliegt. Auch der CIA hat so seine Schwächen. Deren Satellitenaufklärer hatten von den indischen Atombombentests erst aus der Presse erfahren. Untersuchungen ergaben eine verflixt banale Ursache: Die Mitarbeiter müssten zu viele E-Mails beantworten.

Aber die USA sind ja dynamisch im Vorwärtsgang. Die E-Mail-Accounts von Saddam und seinen Gefolgsleuten liegt unter Propaganda-Dauerfeuer der Geheimdienste: 'Give it up and you may survive!?' Irakische Internetseiten (Landeskenner: iq) sind angeblich seit Monaten aus dem Netz radiert, was sich nicht so leicht nachvollziehen lässt, wenn man erst gar keine Testwebseite aus 'iq' findet. Die meisten Bagdad-Webseiten, darunter auch Seiten von der Universität findet man in den USA und im Libanon.


Bagdad macht keinen "Ping" mehr


Das irakische Regime erreichte man bis vor wenigen Tagen noch unter www.uruklink.net, eine Domain, registriert und bezahlt in Schweden. Die Internetverbindungen wurden von London aus per Satellit bereitgestellt und sind nun getrennt worden. Der Nameserver ns1.baghdadlink.net steht im Libanon und macht keinen “Ping' mehr. Da soll suggeriert werden, Saddam und sein Apparat ist bereits zerstört. Der Ping zum Nameserver endet allerdings bereits in Münster, bei der Deutschen Telekom.

Schließlich haben christliche Fundamentalisten aus Florida die Webseite des irakischen Satelliten-Fernsehens gekapert. Der Sender hatte die Propaganda-Aufgabe, klare Bilder vom friedliebenden irakischen Volk in alle Welt zu liefern. Nun zeigt die Webseite stolz, Bilder der strotzenden US-Militärmacht am Golf und empfiehlt Web-Links, wie man sich von Mohammed abwendet und seinen Weg zu Jesus Christus findet.


23.3.2003








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