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Provider zensurieren alternative US-Medien
Daniel A. J. Sokolov Immer
mehr US-Websites bekommen Probleme mit Providern ob ihrer alternativen Berichterstattung
über den Irak-Krieg. Manche Provider sperren kurzerhand den Zugang zu Sites
und begründen dies mit deren 'unpatriotischem' oder 'anstößigem' Inhalt.
In der Regel können sich die privaten Zensoren weder auf gesetzliche Grundlagen noch auf inhaltliche Fehler in den Berichten berufen. Jüngstes Opfer dieser Zensur selbstdefinierter 'Patrioten' ist Yellowtimes.org, die auch die speziell zum Irak-Krieg gelaunchte Site NewsfromtheFront.org betreiben. Stein des Anstoßes waren zwei aktuelle Bilder aus dem Irak. Die YellowTimes-Redaktion rund um Erich Marquardt kann bereits auf eine erfolgreiche Vergangenheit als Anbieter aktueller Informationen, die von den Mainstream-Medien ignoriert werden, verweisen. Im Cache von Google www.google.at finden sich einige YellosTimes-Meldungen – beispielsweise wurde am Samstag (EST) über den (wahrscheinlich irrtümlichen) US-Raketenbeschuss der iranischen Öl-Stadt Abadan berichtet, bei dem eine petro-chemische Anlage beschädigt und mindestens ein Iraner verwundet wurde. Gestern, Montag, hat YellowTimes das Bild eines amerikanischen Kriegsgefangenen sowie eines getöteten irakischen Kindes veröffentlicht. Prompt wurde der Zugriff auf die Website durch den ISP Vortech Hosting www.vortechhosting.com gesperrt. Die Bilder sind Screenshots von ursprünglich vom TV-Sender Al-Jazeera ausgestrahltem Material, welches später von diversen europäischen Sendern übernommenen wurde. Nachdem Marquardt die Bilddateien entfernt hatte, wurde die Zensur der gesamten Site nach einer insgesamt zweistündigen Dauer wieder aufgehoben. Die Redaktion veröffentlichte in der Folge eine Darstellung des Vorfalles. Allerdings ist diese Darstellung nicht zugänglich, da jeder Aufruf von YellowTimes.org oder NewsfromtheFront.org nur die Information 'Account for domain yellowtimes.org has been suspended' zu Tage fördert. Die Zensur durch den Provider hat erneut zugeschlagen. Vortech Hosting hatte sich auf Druck von Seiten des Backbone-Providers Level3.net berufen. Bei der britischen Niederlassung von level3.net wusste man auf Nachfrage von pressetext.austria nichts über den Vorfall. Derweil lassen E-Mails von Vortech an YellowTimes einen anderen Hergang vermuten: 'Es tut uns Leid sie von der Stilllegung ihres Accounts zu informieren. Das Konto wurde aufgrund unangebrachten graphischen Materials supendiert.' In einem zweiten Mail wurde der ISP etwas genauer: 'As 'NO' TV station in the US is allowing any dead US solders or POWs to be displyed (sic) and we will not ether (sic).' Zum Zeitpunkt des zweiten Mails hatten aber bereits Sender in ganz Amerika die Bilder ausgestrahlt. Nach wir vor flimmert jedenfalls extensives Bildmaterial gefangener irakischer Soldaten über die diversen US-TV-Sender. Die Herstellung der Aufnahmen stellt einen Verstoß gegen die Genfer Konvention dar, liegt aber im Interesse der amerikanischen Propaganda. Für CNNs Aaron Brown ist die Ausstrahlung kein Problem, denn die 'Familien (der Gezeigten) schauen nicht zu'. Zumindest eine überraschende Unterschätzung der eigenen Reichweite. Die Reichweite von YellowTimes.org und NewsfromtheFront.org bleibt derweil Dank Vortech Hosting bei Null. Mit freundlicher Genehmigung durch Pressetext-Austria www.pressetext.de/pte.mc?pte=030325032 26.3.2003 |
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