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Aufklärung aus dem Untergrund

Niels Gründel
Im Internet findet sich vor allem seit dem letzten Irakkrieg eine ernst zu nehmende Anzahl alternativer Nachrichtenquellen. Seit einiger Zeit haben sich darüber hinaus vor allem halb professionelle, tagebuchähnliche Angebote, so genannte Webblogs, in Kriegszeiten auch Warblogs genannt, etabliert. Nicht immer ist deren Seriosität allerdings vollständig nachvollziehbar.

Während vor allem die Medien in den USA, Großbritannien und dem Irak den Krieg mit anderen Mitteln auch in den heimischen Medien fortführen, setzen vor allem die Kriegsgegner auf unabhängige Nachrichtenquellen. Die Hoffnungen auf unverfälschte und unzensierte Informationen richten sich zu überwiegenden Teilen inzwischen auf das Internet, dessen Vorteil vor allem die Möglichkeit zum schnellen und unbeschränkten Informationsaustausch ist. Zensoren sind im Internet nicht gerne gesehen und finden daher kaum Unterstützung; anders als etwa bei Fernsehsendern wie dem ultranationalen Hetzsender Fox News (www.foxnews.com) oder dem nach eigenem Bekunden ehrlich publizierenden Sender CNN (www.cnn.com), bei dem die Journalisten ihre Beiträge noch in der US-Firmenzentrale freigeben lassen müssen, - von Vorgesetzten, denen die Materie am Ort der Recherche weit gehend unbekannt sein dürfte; dafür aber die räumliche Nähe zur eigenen Regierung manchen Bericht in einem anderen Licht erscheinen lassen wird. Freiwillige Selbstzensur, im Sinne eines nicht nachvollziehbaren Patriotismus.
Und gerade dort, wo sich die öffentliche Meinung von den klassischen Medien unterrepräsentiert fühlt und es auch tatsächlich eine starke Diskrepanz gibt, haben die Underdogs im Netz gute Chancen, wahrgenommen zu werden. Qualität allein reicht dazu leider nicht.

Orientierungsprobleme durch Nachrichtenvielfalt

Durch die Vielzahl neuer Quellen entsteht aber auch ein Problem ganz anderer Art: Welche Internetseiten sind seriös und informieren ungezwungen, welche wurden möglicherweise gezielt zu Propagandazwecken eingerichtet und werden von Regierungen oder bestimmten Interessengruppen finanziert?
Bereits im ersten Golfkrieg haben sich erste unabhängige Nachrichtenquellen im damals weit weniger populären weltweiten Netz etabliert.
Mediaworkers against War (www.mwaw.org) ist eines der alternativen Angebote zum Thema Irak-Krieg. Unzählige Berichte aus der Friedensbewegung westlicher Staaten finden sich auch auf http://de.indymedia.org sowie bei www.disinfopedia.org, sozusagen dem Lexikon der Propaganda-Lügen. Das „Zentrum für Medien und Demokratie“ in Madison (Wisconsin) versucht damit, einen Kontrapunkt zu den Manipulationen durch Kampagnen der US-amerikanischen Polit-PR zu setzen. Schon vor Kriegsbeginn ließen sich vermeintliche Irreführungen und Falschmeldungen der US-Regierung nachlesen.
Ganz ähnlich ist auch Yellowtimes (www.yellowtimes.org) für seine Sachkenntnis beim Missbrauch der Medien bekannt. Vor einiger Zeit wurde die Plattform wohl auf Anordnung der US-Regierung vom Netz genommen, als Bilder von den ersten US-amerikanischen Kriegsgefangenen des Irakkrieges veröffentlicht worden waren. Schon zuvor wurde die Seite durch eine DoS-Attacke angegriffen, kaum, dass ein Artikel von Imad Khadduri veröffentlicht worden war. Der irakische Nuklearwissenschaftler Khadduri war in den 80er- und frühen 90er-Jahren Mitarbeiter des offiziellen nuklearen Waffenprogramms seines Heimatlandes. In seinem Artikel hat er die offiziellen Angaben der US-Regierung zur Gefährlichkeit des irakischen Nuklearprogramms angezweifelt.
Bis heute von keiner Regierung, aber dafür um so mehr von seinen Zuschauern geliebt, wird der TV-Sender Al-Jazeera. Auch seine englischsprachigen Seiten (http://english.aljazeera.net) waren schon nach kürzester Zeit so beliebt, dass der Server unter der Anfragenlast immer wieder zusammenbrach. Endgültig in die Knie gezwungen hat ihn jedoch eine Distributed-denial-of-service-Attacke (DdoS) durch feindliche Hacker. Zurzeit sind daher nur die arabischen Seiten (www.aljazeera.net) online; die englische Website soll Mitte April wieder folgen.
Neben Artikeln arabischer Journalisten aus den unterschiedlichsten Ländern wurden auf den Internetseiten von Al-Jazeera auch Beiträge teils prominenter westlicher Kriegsgegner veröffentlicht, die vor allem in den USA kaum eine Chance haben, wahrgenommen zu werden. Bei dem arabischen Nachrichtenkanal ist man um Objektivität bemüht und hält ebenso Distanz zu Saddam Hussein wie zu George W. Bush.

Weblogs werden zu War- und Peaceblogs

Das Bedürfnis nach einem ungezwungenen Informationsaustausch hat der privaten Gemeinschaft der Blogger Auftrieb gegeben. In so genannten Blogs werden tagebuchähnlich Einträge vorgenommen, die von anderen Internetnutzern gelesen und für einen intensiven Erfahrungsaustausch kommentiert werden können. Schon nach dem für viele US-Amerikaner so traumatischen „11. September“ wurden Blogs zu Warblogs, in denen der Vergeltungskrieg auf Afghanistan gerechtfertigt wurde. Beinahe im Gegenzug formierte sich die virtuelle Gegenbewegung, welche die Aktivitäten der Blogger seither genau verfolgt. Über die Szene der Blogger erhält man daher ausgerechnet bei den ‚Gegnern‘ einen besonders guten Überblick: http://warbloggerwatch.blogspot.com.
Doch unter den Bloggern befinden sich nicht nur Hobbyautoren und -journalisten. Auch enttäuschte oder ungehörte Profis sind am Werk und so ist es kein Wunder, dass in der Szene ein weit verzweigtes Meinungsnetzwerk entstanden ist, in dem Informationen kritisch hinterfragt, Übertreibungen relativiert, ja sogar Regierungserklärungen und deren propagandistische Absichten ebenso wie Falschmeldungen der großen Medienkonzerne entlarvt werden. Eine aktuelle Liste der mit den Streitkräften vorrückenden „embedded journalists" befindet sich unter: www.cyberjournalist.net/features/iraqcoverage.html#embeds. Militärfreie Warblogs sind mit einer stets aktuellen Liste unter www.cyberabad.de/warscan/ gelistet. Nach allem Anschein wird „Where is Raed" (http://dear_raed.blogspot.com) von einem Iraki aus Bagdad geschrieben, obwohl der Server in den USA steht und fraglich ist, wie derzeit eine Verbindung von Bagdad zur Außenwelt aufrecht gehalten werden kann. In Kriegszeiten aufgrund der Nachrichtenlage zum Warblog firmiert ist www.rollberg.de, „eigentlich ein Weblog für Politik und Kultur", beschreibt der Berliner Initiator Jörg Kantel gegenüber der Netzkritik den ursprünglichen Zweck und besteht darauf, dass rollberg.de kein Warblog, sondern ein Peaceblog ist. Jörg Kantel weiter: „Zurzeit besitzt der Rollberg eine Redaktion aus 13 Personen, fast alles ‚gestandene Weblogger', deren Ziel es ist, unabhängig zu informieren. Was mich sehr freut und stolz macht."

Ende gut, alles gut?

Wer sich des Internets bedient, um an unabhängige Informationen zu gelangen, hat gute Chancen, dem Idealziel ein Stück näher zu kommen. Noch nur die reine Wahrheit kann selbst das Internet nicht bieten. Wie auch, in einem derart dichten Propagandanebel?

6.4.2003







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