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Wenn´s beim Postmann zweimal klingelt!
Mario Gongolsky
Ein Briefträger ist in den ländlichen Gebieten Indiens weit mehr als ein Mensch, der Briefkästen befüllt. Er ist schon eher ein Intimus der Familie. Denn dem Briefverkehr kommt immer noch eine tragende Bedeutung zu. In den ländlichen Gebieten des Subkontinents leben immerhin über eine Milliarden Menschen, doch verfügen die nur über 9,6 Millionen Telefonanschlüsse. Fernab der großen Zentren ist der Brief aber auch nicht unbedingt das ideale Kommunikationsmittel, weil gerade dort die meisten Analphabeten zu finden sind. So müssen die Briefträger viele Briefe für ihre Empfänger vorlesen. Bislang ließen sich die geduldigen Zusteller sogar Antwortbriefe an der Haustür diktieren. Nun hatten die Telefongesellschaft BSNL sowie die nicht eben sehr wirtschaftlich arbeitende Post gleichermaßen das Bestreben, dem Telefon auf dem Land zum Durchbruch zu verhelfen. Die indischen “Telefonboten“ tragen nun in einem roten Nylontäschchen einen Apparat umher, der genauso aussieht wie ein etwas altmodisches, schnurloses Tastentelefon mit einer Antenne für die Basisstation. Die Telefongesellschaft BSNL setzt auf WLL (Wireless Local Loop). Hierfür wurden die örtlichen Telefon-Vermittlungsstationen mit einem Funksender ausgestattet. Daakiya Aaya, Mobile Laaya!
Viele Dörfer sollen von der Telefongesellschaft BSNL bereits mit einem Public-Village-Phone ausgestattet worden sein. Alle in der besagten WLL-Technik. Im ersten Schritt sind es 2000 Briefträger, die zugleich Telefonzellen-Funktion übernehmen. Mittelfristig sollen alle 157.000 Poststellen mit einem Funktelefon ausgestattet werden. Durch die Postboten erhält praktisch jeder Bürger die Möglichkeit, ein Telefon zu benutzen. Bei der Einführung des Dienstes am 24. Dezember 2002 gab Ministerpräsident Shri Atal Bihari Vajpayee die Telefone noch persönlich an die Postboten aus. Das Projekt wird auch weiterhin von der indischen Regierung finanziell unterstützt: Im Rahmen eines Regierungsprogramms sollen die Segnungen der Informationstechnologie allen Indern zugänglich gemacht werden. Die Telefongesellschaft BSNL gilt in Indien als Preisbrecher, unter dessen Wettbewerbsdruck die indischen GSM-Betreiber bereits mehrfach Ihre Minutenpreise nach unten korrigieren mussten. Ich nehme Ihre Briefe mit!
In Deutschland gibt es hingegen immer mehr Telefonanschlüsse und immer weniger Briefkästen. Neuerdings nehmen unsere Postboten auch Briefe zum Wegschicken entgegen. “Ach gut, dass ich Sie sehe. Warten Sie mal! Wo habe ich denn den Brief für Tante Edeltraut?“ So hat jedes Unternehmen seine Zukunftsvisionen. 14.5.2003 |
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